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Wie hält die Clematis - auch Waldrebe genannt - durch?
Tipps von Pflanzendoktor Hans Willi Konrad im April

Wie hält die Clematis - auch Waldrebe genannt - durch?

Hans Willi Konrad ist "Pflanzendoktor" beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bad Kreuznach. Bei hanz-online gibt er Tipps für die richtige Pflege von Garten- und Zimmerpflanzen.

Über einige Jahre habe ich Tipps zur Hege und Pflege von Clematis oder zu Deutsch Waldrebe gesammelt. Damit meine ich die, vielen Gartenfreunden bekannte, Zierform und nicht das einheimische Lianengewächs. In manchen Wäldern tritt sie mit ihren weißen Federblüten und teilweise daumendicken Strängen auf. Mit der Zeit habe ich festgestellt, wie unterschiedlich gewisse Aussagen zur Kultur verstanden werden bzw. von neuem Wissen überholt wurden.

Fangen wir mit dem eigentlich sehr bekannten Hinweis vom schattigen Fuß an: Zu Beginn meiner aktiven Beratungszeit wurde das so verstanden. Irgendwie die Clematis unten am Stock feucht kühl, schattig halten. Das wurde mit zusätzlicher Bepflanzung, mulchen oder abdecken erreicht. Hauptsache da kommt nicht großartig Licht und Sonne hin. Erklärt wurde das mit dem natürlichen Standort der Waldrebe, dem Wald. Oben im Licht und in der Luft, unten im Schatten der Gehölze. 

Als nächstes kommt die berüchtigte Clematiswelke. Eine Pilzerkrankung, die zum Absterben der oberirdischen Triebe führt. Ich kenne noch die Zeit, da herrschte die Meinung vor, Clematiswelke, Feierabend, nix geht mehr. Im Laufe der Zeit hat sich das jedoch verändert. 

Grundsätzlich sollte der Pflanzenliebhaber, wie eigentlich immer, sich mal ausreichend informieren. Welche Clematis will ich: einmal blühend, mehrfach blühend, Frühjahrsblüher oder im Sommer? Mit Rosen kombinierbar, große Blüten, Schnitt notwendig und noch diverses mehr ... Waldreben brauchen eine Kletterhilfe, an der sie sich hochschaffen können. Obacht, bedenken sie, die Triebe wachsen nicht nur nach oben. Sie haben auch ein Dickenwachstum. Dies muss bei der Konstruktion der Kletterhilfe berücksichtigt werden. Auch kann durch dieses Dickenwachstum der Triebe Schaden an Dachrinnen, Vordächern oder Ähnlichem entstehen. 


Stresssituationen vermeiden

Abfallende Blätter können Regenabflüsse verstopfen und das Gewicht alter Pflanzen darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. Selbstverständlich sind diese Eigenschaften sortenabhängig. Vor allem spielt für mich persönlich die Pflanzengesundheit eine, nein, die wichtigste Rolle. Es muss klar sein, noch so schönes Pflanzenmaterial, das nicht auf meinen Standort passt, macht auf Dauer keinen Spaß. Also welche Bodenbedingungen und Klimavoraussetzungen herrschen am zukünftigen Standort?

Clematis mag einen nährstoffreichen, humosen, durchlässigen Boden. Bedeutet, dort wo Lehm-, Tonboden vorherrscht, tut sie sich sehr schwer. Diese schweren Böden können durch reichlich Wasser (Niederschläge) stauend nass werden bzw. durch Trockenheit steinhart. All das mögen die wenigsten Pflanzen und die Waldrebe schon mal gar nicht. Heißt für mich im Umkehrschluss, schwerer Boden Finger weg und eine andere Kletterpflanze genommen. Selbst die ganzen Empfehlungen mit Bodenanpassung durch Drainage, Zusatzstoffe für Lockerung, usw. sind in meinen Augen auf Dauer nicht nachhaltig genug. Weil eine einmalige Standortveränderung nicht reicht. Hier muss regelmäßig am Erhalt des Wunschstandortes geschafft werden. Was in der Praxis kaum stattfindet. Auch sollte der Wurzelbereich vor Befahren und Betreten geschützt sein. Die fleischigen Wurzeln verlaufen oberflächennah. Jede Belastung schädigt letztendlich die ganze Pflanze.

Kommen wir zum Clematissterben, einer Pilzkrankheit, von der wohl jeder mal im Bezug auf die Waldrebe gehört hat. In erster Linie sind großblumige, frühblühende Hybridsorten dafür empfänglich. Plötzlich, von heute auf morgen, welken die Triebe und verabschieden sich. Als Gründe dafür kommen nass-kalte Standorte in Frage, Stresssituationen durch Kälte, Hitze und zu dichte Bepflanzung am Fuß sowie eine mangelnde Wasserversorgung. Verletzungen des Stammgrundes tun ihr Übriges dazu. Hohe Luftfeuchtigkeit, häufige und anhaltende Blattnässe führen zu Blattfleckenkrankheiten. Hier kann nur durch robuste Sorten und beste Kulturbedingungen vorgebeugt werden. Die ganzen Versprechungen von Spritzungen sind oft nur leere Worte. Pflanzenschutzmitteleinsatz ist meist schwierig und mit begrenztem Erfolg. Außerdem reichen einmalige Behandlungen nicht aus. 

Es ist eher so, dass jährliche und häufige Eingriffe nötig sind. Werden befallene Triebe bemerkt, sind diese umgehend zu entfernen. Schmeißen sie das Zeug nicht auf ihren Kompost. Dort überdauern die Krankheitserreger. Entsorgen Sie es über die Biotonne. Bis ein gesunder Neuaustrieb erscheint, können schon ein paar Wochen ins Land gehen. Bändigen Sie daher ihren Wunsch, das Ganze durch reichliche Wassergaben und düngen zu beschleunigen. Sie tun sich keinen Gefallen.


Ausreichende Wasserversorgung

Lassen sie der Natur Zeit, das selbst zu regeln. Um diesem verbreiteten Schaden vorzubeugen, informieren sie sich über widerstandsfähige Sorten. Hier fällt immer wieder der Name Clematis viticella, italienische Waldrebe. Beziehungsweise Sorten, die mit ihr durch Kreuzungen entstanden sind. Der zweite sehr bekannte Punkt ist der schattige Fuß. Kurz gesagt, eigentlich ist damit nur eine ausreichende Wasserversorgung der Waldrebe gemeint. So unkompliziert kann es sein.

Bleibt noch der Pflanzenschnitt. Auch hier mache ich es einfach: Clematis, die im Frühjahr blühen, werden bei Bedarf nach der Blüte oder im zeitigen Frühjahr um 1/3 zurückgenommen. Ihre Blüten erscheinen am Holz des vergangenen Jahres. Daher mit Vorsicht agieren. Ruck zuck haben sie sich sonst einiges an Blütenholz entfernt. Diese Frühjahrsblüher können manchmal im Sommer noch eine zweite Blüte bringen.
Pflanzen, deren Blüte ab ungefähr Mitte Juni erscheinen, können im Spätjahr auf 10 bis 30 cm heruntergenommen werden. Diese Sommerblüher bilden ihre Blütenpracht an den jährlich, neu erscheinenden Trieben.

Vielen von Ihnen ist bestimmt die Kombination von Kletterrosen und Clematis geläufig. Wer da was vor hat, sollte sich, bei der Vielzahl der Möglichkeiten, genau vorbereiten und informieren. Dafür ist ja zum Jahresanfang noch reichlich Zeit. Auf den Internetseiten der Gartenakademien (z.B. Bayerische Gartenakademie) finden sich gut aufbereitete Hinweise rund um dieses sehenswerte Duo. 

Gutes Gelingen.


Quelle:
Hans Willi Konrad

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)
Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Rüdesheimer Str. 60-68
55545 Bad Kreuznach

E-Mail:
[email protected]