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Autohaus-Betrügereien: Anklage gegen Inhaber und 5 Helfer
Dem Hauptverantwortlichen drohen bis zu 10 Jahre Haft

Autohaus-Betrügereien: Anklage gegen Inhaber und 5 Helfer

Entspanntes Cabrio-Fahren empfahl Friedrich Leydecker seinen Kunden per Zeitungsanzeige noch im Frühjahr 2007. Nahezu jeden Samstag präsentierte sich das "Autohaus Kreuznach" prominent platziert, derweil hinter der Fassade krumme Dinger gedreht wurden, um den Schein zu wahren. Wenige Wochen nachdem der heute 67-Jährige im Februar 2008 beim Amtsgericht die (verschleppte) Insolvenz für sein Unternehmen meldete, trat die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Sie wirft dem Geschäftsmann nun unter anderem gewerbsmäßigen Betrug und Unterschlagung vor.

Die von der Staatsanwaltschaft ermittelte Schadenshöhe ist immens. 1,3 Mio. Euro Schaden entstand verschiedenen Kreditinstituten, weil Leydecker die von ihm vertriebenen Fahrzeuge „systematisch“ jeweils mehreren Kreditinstituten gleichzeitig als Sicherheit übereignet haben soll – um den Kreditrahmen der Autohäuser in Bad Kreuznach und Kirn zu erweitern.

Ferner setzte der Geschäftsmann ein Karussell von Buchungsvorgängen zwischen seinen eigenen Firmenkonten in Gang. Per Lastschrift zog er beispielsweise eine Summe ein, die dem Konto A sofort gutgeschrieben, aber dem Konto B erst tags darauf belastet wurde. Für Konto B wurde der Vorgang dann entsprechend wiederholt, dann für Konto C und so weiter. Diese „Lastschriftreiterei“ dehnte das Volumen der Überziehungskredite aus und hinterließ, als die Blase platzte, bei der Sparkasse Rhein-Nahe und der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück Schäden von zusammen 2,4 Mio. Euro.

Neben diesen Summen, die der Koblenzer Oberstaatsanwalt Gandner in einer Pressemitteilung nennt, berichtet die Allgemeine Zeitung von Schulden bei den Hausbanken in Höhe von 15 bis 20 Mio. Euro, die zeitnah abgeschrieben worden seien.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hatte der frühere Geschäftsmann bei den ihm zur Last gelegten Straftaten Mitwisser und Helfer:
  • eine 53-jährige Finanzbuchalterin. Sie wird beschuldigt, „die vielfältigen Manipulationen in der Buchhaltung, den Bilanzen, dem Fahrzeugbestand und den Konten“ aufeinander abgestimmt zu haben.
  • seinen 38-jährigen Sohn und
  • einen 44-jährigen kaufmännischen Angestellten. Beide „unterstützten den Firmeninhaber bei der aufwendigen täglichen Durchführung des Lastschriftkarussells“.
  • einen 47-jährigen Bankkaufmann und
  • einen 52-jährigen Bankkaufmann. „Gegen die angeklagten Bankangestellten besteht der Verdacht der Untreue in einem besonders schweren Fall, da sie bis zur Insolvenzantragstellung die wöchentlich fortschreitenden Überziehungen der Firmenkonten durch das Lastschriftkarussell wissentlich tolerierten.“

Die Vorwürfe gegen den früheren Autohaus-Inhaber:
  • Insolvenzverschleppung
  • Manipulation der Bilanzen und Buchhaltung
  • Gewerbsmäßiger Betrug
  • Unterschlagung
  • „Lastschriftreiterei“
  • Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall.
In der Presseerklärung der Staatsanwaltschaft heißt es weiter: „Das Ermittlungsverfahren gegen zwei weitere Verantwortliche der involvierten Kreditinstitute, darunter ein Vorstandsvorsitzender, wurde mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen war nicht der Nachweis zu führen, dass sie das Lastschriftkarussell als solches erkannten und tolerierten.

Der Straftatbestand der Insolvenzverschleppung sieht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Das Vergehen der Untreue in einem besonders schweren Fall ist mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren bedroht.“

Der Termin für die Hauptverhandlung wurde noch nicht bestimmt.

Thomas Gierse


Die Abbildung zeigt einen technisch veränderten Ausschnitt einer Zeitungsanzeige des "Autohaus Kreuznach" aus März 2007.

 
Wie es damals weiterging mit dem Autohaus ...
... beschrieb Insolvenzverwalter Jens Lieser am 2. November 2008 in einer Presseerklärung:
"Nach intensiven Verhandlungen des Insolvenzverwalters Jens Lieser aus Koblenz ist die Autohaus Kreuznach GmbH an einen neuen Investor verkauft worden. Damit ist die Sanierung der Autohaus Kreuznach Gruppe, zu der früher auch das Autohaus Kirn gehörte, erfolgreich abgeschlossen worden.

Der gute Standort, hoch motivierte Mitarbeiter und ein treuer Kundenstamm aus der gesamten Umgebung hatten den neuen Erwerber Bernhard Heinen überzeugt, in das größte Automobilunternehmen im Kreis Kreuznach zu investieren. Vor dem Hintergrund eines insbesondere durch die Folgen der Finanzmarktkrise schwierigen Marktumfeldes sei die Investition ein mutiger Schritt, der hohe Annerkennung verdiene, so Lieser. „Ich freue mich sehr, dass neben dem Autohaus Kirn nun auch das Stammhaus in Kreuznach einen Investor gefunden hat und somit beide operative Einheiten der Autohaus Gruppe für die Region Kreuznach erhalten bleiben“, sagt Insolvenzverwalter Lieser.

Im seit über 75 Jahren bestehenden Autohaus in Kreuznach, das mit rund ein Viertel Prozent Marktanteil der größte Opel-Anbieter in der Region ist, werden auch Chevrolet-Fahrzeuge verkauft. Investor Heinen strebt künftig auch das Geschäft mit weiteren Marken an. Über die Immobilien der Autohaus Kreuznach Gruppe gibt es zudem rege Nachfrage, so Lieser. Eine Entscheidung hierzu erwartet der Insolvenzverwalter im kommenden Jahr.

Die Sanierung der Autohaus Kreuznach Gruppe erwies sich als schwierig, weil es unter der alten Geschäftsleitung zu Unregelmäßigkeiten gekommen war, die zu einer Vertrauenskrise bei allen Beteiligten geführt hatte."

 

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