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Pflanzendoktor Hans Willi Konrad

Konrads Gartentipp: Spinnmilben an Nutz- und Zierpflanzen

Konrads Gartentipp: Spinnmilben an Nutz- und Zierpflanzen
Hans Willi Konrad ist "Pflanzendoktor" beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bad Kreuznach. Bei hanz-online gibt er Tipps für die richtige Pflege von Garten- und Zimmerpflanzen im August.

Im Gewächshaus und im Wintergarten kommt in heißen Sommern dieser Schädling mehr zum Vorschein: Unter den Gärtnern fällt oft der landläufige Name Rote Spinne. Mit dieser Bezeichnung werden die Gemeine Bohnenspinnmilbe und die Obstbaumspinnmilbe zusammengefasst. Die Bezeichnung Rote Spinne rührt von der Körperfarbe der Obstbaumspinnmilbe, auch die Eier sind bei ihr rötlich gefärbt.

Für den Kleingärtner ist es erst mal egal, wen er vor sich hat. Die Bekämpfung ist ähnlich. Allerdings muss klar sein, es handelt sich nicht um Insekten, sondern um Spinnentiere. Zu deren Bekämpfung gibt es spezielle Akarizide. So heißen Mittel die gegen Spinnentiere wirken. Dieser Umstand ist nicht immer bekannt und führt zu schlechten Bekämpfungsergebnissen. Weil halt mit einem gerade vorhandenen Mittel gegen saugende Insekten gespritzt wird.

Vereinfacht gesagt, Pflanzenschutzmittel, die gegen Spinnmilben wirken, tragen dieses Merkmal auf ihrem Etikett bzw. in ihrer Gebrauchsanleitung. Manche Informationen verunsichern daher auch. Sie schließen Spinnmilben als saugende Insekten fälschlicherweise mit ein.

Natürliche Feinde sind Raubmilben, Raubwanzen, auch bestimmte Marienkäfer und die Florfliegenlarven machen sich über Spinnmilben her. Das Schadbild beginnt als kleinste Aufhellungen an den Blattoberseiten. Die Viecher sitzen jedoch auf der Blattunterseite und saugen jede Pflanzenzelle einzeln aus. Daraus entsteht mit der Zeit eine silbrige Verfärbung. Je länger sie ungestört leben können, desto heftiger entwickelt sich der Schaden. Spätestens wenn die Spinnweben wehen ist eindeutig was los.


Spinnmilbenbefall am Oleander

2018-07-31 Spinnmilbenbefall Oleander Winterquartier

Dann kann der Gärtner aber kaum noch was retten. Kaputte Blätter und verkrüppelte Früchte werden nicht mehr gesund. Spinnmilben können durchaus heftige Schäden an Äpfeln, Zwetschen, Gurken, Bohnen, Auberginen, Paprika, Rosen, Oleander, Engelstrompete, Hibiskus, Zitrus, Fuchsien und Palmen verursachen. Meistens handelt es sich um die Gemeine Bohnenspinnmilbe, die unser Gemüse und Zierpflanzen heimsucht. Seltener ist die Obstbaumspinnmilbe der Übeltäter. Da wie der Name schon sagt sie hauptsächlich unsere Obstgehölze schädigt.

Spinnmilben sind grob um einen halben Millimeter groß. Mit bloßem Auge also schwer zu sehen. Trocken warmes, nahezu heißes Wetter ist fördernd. Daher sind Pflanzen im Gewächshaus, Wintergarten, auf sonnigen Terrassen und Balkonen häufig befallen. Eine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln ist aufwendig, da auf eine gute Benetzung der Blattunterseiten geachtet werden muss.

Die Pflanzen müssen praktisch rund um besprüht sein. Nur wo Spritzbrühe hinkommt und den Schädling möglichst trifft, hilft sie auch. Außerdem muss die Bekämpfung mehrfach durchgeführt werden. Nach meiner Erfahrung mindestens eine Anwendung pro Woche dreimal wiederholen. Danach zweimal wöchentlich die weitere Entwicklung beobachten. Genaueres steht in der Gebrauchsanleitung der geeigneten Pflanzenschutzmittel.

Generell sind Sie als Anwender verpflichtet, die Gebrauchsanleitung durchzulesen. Ich weiß, jeder macht das. So wie beim Beipackzettel von Arzneien. Es gibt aber Pflanzenschutzmittel, die nur einmal in der Vegetationszeit an der Kultur einsetzbar sind. Liegt an der amtlichen Zulassung.

So ist der Gärtner praktisch zum Einsatz verschiedener Präparate gezwungen. Was auch seinen Vorteil hat. Spinnmilben bauen schnell eine Resistenz gegen Pflanzenschutzmittel auf, die häufig genommen werden. Resistenz bedeutet, die Viecher überleben die Spritzung in großem Maß.


Gärtner kann selbst Überträger sein

Wichtig ist auch auf Pflanzen im Umfeld zu achten, die eventuell als Befallsherd immer wieder neu infizieren. Spinnmilben wandern aktiv zu und werden auch über Wind und befallene Pflanzen weiterverbreitet. Achtung, an einer befallenen Pflanzen gearbeitet und zack kann der Gärtner selbst als Überträger dienen. Bei der Anwendung ist es zwingend notwendig die kompletten Pflanzen einzusprühen. Nur dort wo Mittel hinkommt kann es auch den Schädling bekämpfen.

Bedeutet für den Gärtner nicht mal schnell über seine Kulturen drüberhuschen. Er muss unbedingt auch die Blattunterseite und das Pflanzeninnere benetzen. Lassen Sie es mich an einem einfachen Beispiel bildlich machen. Wenn ich aus der Dusche komme, muss ich überall Wasser abbekommen haben. Auch unter den Armen. Also einmal alles komplett bearbeiten. Gerade schwer zugängliche Bereiche, wie Blattunterseite bzw. Pflanzeninneres, verbleiben sonst als Verstecke. Von denen aus immer neuer Befall kommt.

Spinnmilben sind grundsätzlich schwer zu bekämpfen. Sie treten in großer Anzahl auf. Wegen ihrer versteckten Lebensweise (Blattunterseite) sind sie leicht zu übersehen und dann kommt der richtige Spaß. Es sind mehrere Lebensphasen zur gleichen Zeit auf den Kulturpflanzen zu finden. Da laufen erwachsene Tiere rum, es gibt Jungtiere, sogenannte Larven und Eier. Daher muss mehrfach und intensiv vorgegangen werden. Am besten mit Pflanzenschutzmitteln die alle Stadien (Erwachsene, Larven und Eier) bekämpfen.

Gerade biologische Präparate mit dem Wirkstoff Rapsöl eignen sich dafür gut. Aber aufpassen, ich meine damit nicht ihr Rapsöl aus dem Haushalt. Gerne kommt die Empfehlung aus Fernseh, Radio und diversen Zeitschriften sich selbst mit der Haushaltsware, Wasser und sonstigen Zutaten Eigenmischungen herzustellen. Dieses Gebräu wirkt manchmal besser, als es der Anwender will.


Finger weg von Eigenmischungen

Heißt, es schädigt auch die Pflanzen. Denn ihr Rapsöl, mit dem der Salat angemacht wird, ist nicht auf Verträglichkeit an Obst-, Gemüse-oder Zierpflanzen getestet. Ich kann da nur sagen, Finger weg und zugelassene Mittel verwenden. Was Eigenmischungen zur Schaderregerbekämpfung an unseren Kulturpflanzen betrifft. Bis jetzt sind sie gesetzlich nicht zulässig.

Auch gibt es Vorschläge einen Spinnmilbenbefall mit Wasser zu bekämpfen. Hierbei soll durch Erhöhung der Luftfeuchtigkeit an der Pflanze der Schädling zurückgedrängt werden. Manchmal gibt es noch den Zusatztipp, die Pflanze nach der Wasserbehandlung in eine Plastiktüte oder Folie zu verpacken. Auf Grund meiner bisherigen Erfahrung ist der Erfolg eher bescheiden.

Im Freiland kann durch eine nützlingsschonende Bewirtschaftung den natürlich vorkommenden Gegenspielern geholfen werden. Einige Punkte sind: sehr bewusster Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, artenreicher Pflanzenanbau, es sollte immer was am Blühen sein, damit Futter vorhanden ist. Mittlerweile gibt es unzählige Blühmischungen für den Außenbereich. Mit Nützlingsverstecken bzw. Überwinterungsmöglichkeiten können Sie das Angebot abrunden.

In Gewächshäusern, Wintergärten, sonstigen Innenräumen (Büros) kann der Einsatz von käuflichen Nützlingen Sinn machen. Allerdings müssen die Umweltbedingungen passen. Das sind Wärme, Luftfeuchte, Helligkeit. Auch müssen die Nützlinge rechtzeitig zum Einsatz kommen und mehrfach nachgelegt werden. Was eine regelmäßige Kontrolle der Räumlichkeiten bzw. der Pflanzen verlangt. Mal so locker ein paar Raubmilben ausstreuen, funktioniert nicht. Nützlingseinsatz bedeutet sich vorher umfangreich zu informieren. Es klappt, aber nicht mal so eben aus der Hüfte geschossen.


Quelle:
Hans Willi Konrad

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)
Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Rüdesheimer Str. 60-68
55545 Bad Kreuznach

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