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Im Volksbank-Neubau hinter die Türen von Tresor und Chefzimmern geschaut
Umzug in vier Wochen

Im Volksbank-Neubau hinter die Türen von Tresor und Chefzimmern geschaut

Bad Kreuznach, 05.02.2019
Zum Prinzip einer Bank zählt Verschlossenheit dort, wo Sicherheit und Diskretion es verlangen. Am Montag, 04.02.2019, bot die Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück Journalisten die sehr seltene Gelegenheit, auch hinter die Tresortür im Keller und aus dem Fenster der Vorstandsbüros ihres Neubaus in der vierten Etage zu schauen. 


Ab dem geplanten Arbeitsbeginn am 11. März und auch am Tag der offenen Tür am 5. April wird es aus guten Gründen nicht mehr so viele offene Türen wie bei diesem „Pre-Opening“ geben. 1750 qm Teppich sind bereits verlegt, die meisten Möbel stehen an ihrem Platz, aber noch prägen etwa Plastikabdeckplanen und die Abwesenheit der elektronischen Arbeitsplatzausstattung das Bild.

Am Wochenende 9./10. März 2019 werden 57 Mitarbeiterinnen der Volksbank mit ihrem Umzug aus der bisherigen Hauptstelle einige Dutzend Meter näher an die Innenstadt heranrücken. Was sie dort vorfinden, „ist toll, ist am richtigen Platz und es passt zu uns“, urteilt Horst Weyand, Vorstand der Volksbank.

Eine Bank müsse Transparenz und ein Willkommen signalisieren, habe der Architekt stets betont, und sie müsse zugleich das motorisierte Gewusel auf der Salinenstraße akustisch aussperren, um Diskretion und Ruhe auszustrahlen, „die eine Bank natürlich auch ausmachen“. Weyands Vorstandskollege Odo Steinmann ergänzt: „Wo wir kompromisslos nicht auf die Kosten geguckt haben, waren die Themen Schallschutz, Klimatisierung und gesundes Arbeitsumfeld.“

Seine Schokoladenseite hat das gen Süden großzügig verglaste Haus an der Ecke Salinenstraße/Klostergasse. Dort betritt man die Kundenhalle, die mit etwa einem Viertel der bisherigen Hallenfläche auskommt. Die Glasfronten und die Höhe der Kundenhalle kompensieren dieses vermeitliche Manko aber. Man habe „verlorenen Raum“ gegen Beraterbüros getauscht, erläutert Horst Weyand. Dort biete man den Kunden mehr Diskretion als bisher und mehr Zeit. Dies sei umso wichtiger, als der typische Bankkunde – mal abgesehen vom bloßen Geldabheben – im Durchschnitt nur noch einmal pro Jahr zur Bank kommt, um sich helfen oder beraten zu lassen.

Rechts vom Eingang finden die Kunden künftig Geldautomaten, Briefkasten und Kontoauszugsdrucker. Richtig interessant wird es darunter, denn dort befindet sich der Tresorraum, den Stahl und Elektronik nach außen absichern. Wer hinein will, muss sich per Fingerabdruck legitimieren und sich wiegen lassen. Ein „Vereinzeler“, eine Kabine in der Größe einer Telefonzelle mit zwei Türen, öffnet den Zugang zum Tresor-Vorraum nur, wenn das gemessene Gewicht „stimmt“, also nicht etwa eine zweite Person und eine Waffe sich mit in der Kabine befinden.
 

„Bargeld lebt“

Die Tresortür wirkt zierlich im Vergleich zu den Türen der Beschleunigerräume in Bad Kreuznacher Strahlentherapie-Praxen. Draußen einen Code eingeben, drinnen eine Gittertür öffnen, dann steht man inmitten von Papier- und Hartgeldbergen. Wie das aussehen könnte, bleibt vorerst der persönlichen Fantasie überlassen, denn bislang wird am Funktionieren der Elektronik und Mechanik gefeilt, das Geld lagert noch andernorts. Manches fehlt noch ganz und gar: Wo die Geldautomaten stehen werden, gibt es bislang nur Wandausschnitte. 

Zu sehen sind schon ein Lastenaufzug fürs Geld sowie am Rand der Kundenhalle ein „Diskretschalter“, der dem Transfer größerer Beträge einen zweckmäßigen Rahmen gibt: nichts für Klaustrophobiker. „Ich glaube, dass wir das auch in 20 Jahren noch brauchen“, sagt Horst Weyand, denn „die Deutschen lieben ihr Bargeld“.
 

Ziemlich papierloses Büro 

Apropos Digitalisierung: 600 laufende Meter Kreditakten habe man für 1 Mio. € von einem Spezialunternehmen einscannen lassen. Dies und der Umstand, dass „wir knallhart den Platz beschnitten haben“, so Odo Steinmann, stelle die Volksbank-Chefs nun vor ihre „größte Aufgabe“: den Vollzug des „papierlosen Büros“ in den Köpfen der Mitarbeiter und auf ihren Schreibtischen. „Was nicht gebraucht wird, kommt nicht mit. Gewöhnt Euch an Digital“, laute die Botschaft.

Horst Weyand ging mit gutem Beispiel voran und reduzierte nach zwei Jahrzehnten Volksbank "sein" Papier im Volumen zweier großer Schränke auf zwei Aktenordner — „weil man mehr nicht braucht“. Dennoch werde es weiterhin jede Menge Drucker geben, denn Kunden erhalten aus Gründen des Verbraucherschutzes ihre Unterlagen auf Papier gedruckt, Ehepaare in zweifacher Ausfertigung. 
 

Schöne Aussicht

Die Büros sind den Mitarbeitern zugeordnet, was den Wünschen des Teams entspreche und auch den Volksbank-Kunden gerecht werde. Die Sparkasse geht mit ihrem „S-Haus“ den gegensätzlichen Weg, und dies könne bei einem ausgelagerten Geschäftsbereich und dem Ausstellungscharakter des „S-Hauses“ auch funktionieren. „Es gibt da kein Richtig und kein Falsch“, sagt Weyand, aber auf eine komplette Regionalbank lasse sich Silicon Valley nicht eins zu eins übertragen.

Stolz sind die Volksbank-Vorstände auf flache Hierarchien und deren Ausdruck in der identischen Möblierung sämtlicher Büros. Allerdings: Wer in der Volksbank am höchsten klettert, hat die schönste Aussicht von seinem Arbeitsplatz auf die Innenstadt und über sie hinweg. Dies wird nur "getoppt" von der Dachetage mit umlaufendem Balkon, wo sich Tagungs- beziehungsweise Schulungsräume befinden sowie der gemeinsame Pausenraum der Mitarbeiter.
 

Erst Abriss, dann 2. Bauabschnitt

Der noch ausstehende 2. Bauabschnitt kann erst folgen, wenn der Altbau abgerissen ist. Mit dem nun fertiggestellten Gebäude wird der Gebäuderiegel sich zwar das Treppenhaus teilen, aber er wird hauptsächlich in dem von der Straße abgewandten Areal errichtet werden. Der zweite Bau wird noch etwas größer als der erste.

Für — geplant — zwei Jahre ziehen Mitarbeiter dann an den Salinenplatz um, in das Gebäude neben der Commerzbank. Das Haus mit dem Wettbewerber als Mieter gehört der Volksbank, und sie will es auch zukünftig nutzen. Dies sei eine Frage der Platzes und der Weitsicht, deutet Horst Weyand an: Bankenwelten ändern sich schnell, „so dass wir in acht oder zehn Jahren wahrscheinlich deutlich andere oder weniger Büros brauchen.“

Deshalb werde der Bedarf nun genau kalkuliert und deshalb ist auch aller Gram ob der Verzögerungen und Verzögerer in den vergangenen sieben Jahren Planungs- und Bauzeit verflogen. Man habe anfangs größer, ja zu groß geplant. Und diejenigen, „die uns aufgehalten haben, hatten einen besseren Weitblick als wir“, räumt Weyand augenzwinkernd heute ein.


 
Details

In rund 60 Wochen Bauzeit erstellten 25 Handwerksfirmen mit rund 120 Mitarbeitern den Neubau. Dabei handelt es sich um den ersten Abschnitt des Gesamtvorhabens, das aus Gründen des beschränkten Platzes und der internen Abläufe in zwei Bauabschnitte getrennt wird.

Der Zentralbau des Gesamtvorhabens ist nun so gut wie fertig. Mit 10,6 Mio. € liegen die Kosten knapp über der Kalkulation. Es entstanden 35 Büroräume und ein Veranstaltungsraum auf insgesamt 2755 m² Nutzfläche. 57 Arbeitsplätze bietet der erste Bauabschnitt, weitere 64 folgen im zweiten Abschnitt.

Auch Fahrradparkplätze, Parkdecks und eine vom Fahrersitz aus erreichbare „Geldtankstelle“ folgen in Abschnitt 2.

Thomas Gierse


 

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