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17.02.2019
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16.02.2019
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Mit Hausbesetzung nahmen Kreuznacher Abschied vom Großen Felsenkeller
"Geschichtshäppchen" zum Lebenswerk Philipp Wallauers

Mit Hausbesetzung nahmen Kreuznacher Abschied vom Großen Felsenkeller

„Energisch, selbstbewusst und draufgängerisch“. So beschreibt Marita Peil den „kleinen Mann mit dem großen Schnauzbart“, dessen Leben und Wirken für ein Kapitel Stadtgeschichte steht. Im Rahmen der Stadtarchiv-Reihe „Geschichtshäppchen“ porträtierte sie Philipp Wallauer, dessen Name aufs Engste mit der Brauerei und dem Gasthaus „Großer Felsenkeller“ verbunden ist.


Brauerei und Gasthaus „Großer Felsenkeller“ konnten auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken. Der Küfer Johann Philipp Wallauer gründete in der Prinzengasse die Brauerei um das Jahr 1736. 1901 wurde das Unternehmen in die Gymnasialstraße verlegt und dort bis 1974 betrieben. Bereits im Alter von 18 Jahren musste Philipp Wallauer den Familienbetrieb – Brauerei und Gasthaus – übernehmen, eine neue und sehr erfolgreiche Ära begann. 1911 erweiterte er das Gasthaus in der Kreuzstraße zur Mannheimer Straße hin. „Die Kreuznacher waren vom neuen Felsenkeller begeistert.“ Pils und Export, das obergärige Altbier und zu Weihnachten das Alt Kreuznacher Bockbier (mit hohem Stammwürzgehalt) waren sehr beliebt. Alle kehrten im Wirtshaus ein: Landbewohner, Städter, Arbeiter, Beamte, Rentner, die Beschicker des Wochenmarktes und natürlich auch die Stadtoberen.

Lange war es sogar Brauch, dass sich Felsenkellergäste zum Bier ihr eigenes Essen mitbrachten. Aber auch die Speisekarte mit preiswerten und gutbürgerlichen Gerichten sorgte für großen Umsatz, zum Beispiel am 3. Juni 1934. An diesem Tag feierte die Kurverwaltung Bad Kreuznach ihr 100-jähriges Bestehen und tafelte im Felsenkeller: Für 34 Frühstücksgedecke, 406 Mittagessen und 251 Abendessen durfte Wallauer 729,15 Reichsmark in die Kasse streichen.

In den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg hatte Wallauer Gastronomen und den Einzelhandel mit seinem Bier beliefert. Durch die Straßen der Stadt rollten stabile Eichenholzfässer auf Wagen, gezogen von jeweils zwei kräftigen Rössern. Der Zweite Weltkrieg verschonte auch den Felsenkeller nicht. Eine Fliegerbombe, die in den Hof fiel, richtete große Schäden an. Nach Kriegsende gab es einen harten Neuanfang und erst nach der Währungsreform 1948 erlebte das Wirtshaus wieder einen Aufschwung.
 

Am Heiligabend für jeden Gast ein Geschenk

An Heiligabend hatte die Gaststätte bis 22 Uhr geöffnet. Für jeden Gast hielt Wallauer ein kleines Geschenk bereit. Er wollte, dass die Einsamen seiner Heimatstadt in geselliger Runde im Schein der Christbaumkerzen ein wenig Weihnachten feiern konnten. Legendär war die Fastnacht im Felsenkeller. Da konnte jeder Gast einen Büttenvortrag halten. Sohn Karl-Heinz griff schon mal zur Geige, um das kleine Orchester, das zum Tanz aufspielte, zu begleiten. Einen Ruhetag kannte der Felsenkeller nicht. Man öffnete morgens um 8 Uhr und nach Mitternacht schloss das Lokal seine Pforten.
       

Unermüdlich bis ins hohe Alter

Auch im hohen Alter kümmerte sich Philipp Wallauer um das Wohl seiner Gäste. Im Alter von 87 Jahren erschütterte ihn ein schwerer Schicksalsschlag, von dem er sich nicht mehr erholte. Sein Sohn Karl-Heinz, Diplom-Braumeister und Leiter des Familienunternehmens, verunglückte am 6. Mai 1952 bei einem Autounfall tödlich. Im Alter von 92 Jahren starb Phillipp Wallauer am 20. Januar 1957 an den Folgen eines Schlaganfalls.

„Mit Philipp Wallauer, dem Bierbrauer und Gastwirt aus echtem Schrot und Korn, der die Geschicke von Brauerei und Lokal 74 Jahre erfolgreich gelenkt hatte, ging die Seele des Felsenkellers dahin“, sagt Marita Peil. Das Unternehmen wurde zunächst von einem Prokuristen weitergeführt und in den 1960er-Jahren bis 1979 verpachtet. 1980 wurde der Felsenkeller an einen Investor aus Düsseldorf verkauft.
 

Ohne Wallauer hatte der Felsenkeller keine Zukunft

Als die Kreuznacher erfuhren, dass der Felsenkeller abgerissen werden und einer Einkaufpassage weichen sollte, gab es einen großen Aufschrei und Protestaktionen in der Bevölkerung. Nach der Nacht zum 1. Mai 1981, der „Hexennacht“, hielt eine Hausbesetzung die Stadt mitsamt der Polizei drei Tage lang in Atem. Es half alles nichts. Im Mai 1981 wurde der Felsenkeller abgerissen. Aber auch die Einkaufspassagen verschwanden wieder. „Heute sehen Sie hier und in der Kreuzstraße moderne Gebäude, in denen sich Modekettenfilialen etabliert haben“, sagte Marita Peil, die ihren Vortrag mit folgenden Worten schloss: „Der Felsenkeller existiert nicht mehr, aber er ist nicht tot. Er wird auch in Zukunft weiterleben – in unserer Erinnerung und in der Stadtgeschichte Bad Kreuznachs, mit der er untrennbar verbunden ist.“

Foto: Marita Peil (2. von links) erzählte aus dem erfolgreichen Leben des Wirts im Großen Felsenkeller, Philipp Wallauer. Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann (mit Mikrofon) begrüßte die Zuhörerinnen und Zuhörer.
 

Nächstes „Geschichtshäppchen“ am 10. September

Helmut Heimrich berichtet in Anekdoten aus der Zeit, als das Wirtschaftswunder nach Kreuznach kam. Termin: Donnerstag, 10. September, 17.45 Uhr. Treffpunkt: Mannheimer Straße 151.