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Rechtzeitig an den Buchsbaumzünsler denken
Tipps von Pflanzendoktor Hans Willi Konrad im März

Rechtzeitig an den Buchsbaumzünsler denken

Hans Willi Konrad ist "Pflanzendoktor" beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bad Kreuznach. Bei hanz-online gibt er Tipps für die richtige Pflege von Garten- und Zimmerpflanzen im März 2018.

Wer denkt so kurz nach dem Winter gleich wieder an so einen unangenehmen Zeitgenossen wie den Buchsbaumzünsler? Es ist aber zwingend notwendig, so früh wie möglich den ersten Fraß der überwinternden Raupen zu stoppen. Im März 2017 schlug diese gefräßige Schar schon zu. Ab April gab es bereits erhebliche Schäden.

Auch wenn es dem einen oder anderen unschön erscheint. Diese Viecher müssen abgetötet werden. Das gilt natürlich nur für Buchsbesitzer, die ihre Pflanzen erhalten wollen. Hier hilft kein Stärkungsmittel oder unsere Tierliebe, Umweltverständnis und sonstige Nachsicht.

Im Laufe des Frühjahrs entwickeln sich aus dem Winterbefall, wenn keine Bekämpfung stattfindet, die ersten Schmetterlinge. Diese paaren sich, legen Eier ab, aus denen gefräßige Räupchen schlüpfen. Von unscheinbar bis zu einer Größe ,die einem kleinen Finger entspricht. Dann ist früh und spät vorbei.

So was ist zweimal im Jahr möglich. Da muss von Anfang an, ein strammer Einsatz durchgehalten werden. Wirklich gut bekämpfbar sind die ersten, kleinen Larvenstadien. So nennt der Fachmann die empfindlichen Jungraupen. Für uns reicht das Wissen, je größer desto schwieriger ist die Bekämpfung. Dabei spielt es keine Rolle, welche Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Allerdings haben Kollegen aus Baden Württemberg festgestellt, dass Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff „Bacillus thuringiensis“ auch große Raupen packen.


Nun welche Vorgehensweise bringt was?

  • Frühzeitiges Erkennen
  • Regelmäßige Kontrollen im Vegetationsjahr
  • Richtig durchgeführter Pflanzenschutz
  • Die Bekämpfung wiederholen
  • Beste Buchspflege
  • Reicht alles nicht aus, Buchsersatzpflanzen einplanen


1. Frühzeitiges Erkennen und regelmäßige Kontrollen

Für den Buchsbesitzer heißt das: Pflanzen zwei- bis dreimal in der Woche genau durchzusehen. Also nicht mal locker drüberblinzeln und alibimäßig mit der Hand durchfahren. Nein! Sie müssen schon ihre Nase reinstecken. Die Zweige auseinanderbiegen und sich mühen. Eventuell brauchen sie nicht immer alles zu kontrollieren. Es muss ihnen aber ernst sein.

Dieser Schädling ist ein hartnäckiger Gegner. Zur Unterstützung können Pheromonfallen für den Buchsbaumzünsler ab Ende Mai aufgehängt werden. Sie zeigen den Flug der männlichen Falter an. Lockstofffallen helfen ausschließlich, den bestmöglichen Termin zur Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln zu finden. Der ist ungefähr 10 Tage nach dem die Schmetterlinge geflogen sind. Eine Bekämpfung mit ihnen funktioniert nicht.

Egal wer ihnen das verspricht.


2. Richtig durchgeführter Pflanzenschutz, Bekämpfung wiederholen

Unter den Fachleuten herrscht da eine gewisse Einigkeit. Egal welches Präparat sie einsetzen. Gute Wirkung ist nur bei kleinen Raupen erzielbar. Was wiederum den ersten Punkt unabdingbar macht. Ich habe vergangenes Frühjahr bereits Anfang April deutlichen Fraß gefunden. Die Raupen waren alle über das empfindlichste Stadium raus.

Sie saßen großteils unbehelligt in den Triebspitzen. Was mir zeigte, wie so oft, das Auge des Herrn war nicht aufmerksam. Unter anderem standen die Einzelpflanzen im Vorgarten rechts und links vor der Haustür. Ein solcher Schaden kommt nicht vom Himmel gefallen. Da waren vorher auch schon Anzeichen da. Allerdings nicht bemerkt. Wenn in der Nähe Buchs befressen ist, können sie davon ausgehen, dass dies auch bald bei ihnen passiert.

Ist der Zünsler mal da, hat er sich etabliert. Bedeutet, das Vieh verschwindet nicht mehr so einfach aus ihrem Garten. So sehen das die Experten mehrheitlich. Sie können bis jetzt lediglich Schadensbegrenzung betreiben. Also durch wiederholte, zielgenaue Spritzungen im Jahresverlauf die Raupenanzahl erheblich verringern.

Weniger Fresser, besseres Pflanzenwachstum.


3. Beste Buchspflege

Für sie als Gartenfreund ist das nichts Neues (düngen, wässern). Daher erspare ich mir das Aufzählen der bekannten Möglichkeiten. Was sie zur Unterstützung tun können, sollte geschehen. Allerdings rate ich von dubiosen Maßnahmen und Mittelchen aus dem überreichen Fundus des Internets ab. Was sie mit gesundem Menschenverstand nicht begreifen, ist eher fragwürdig.


4. Buchsersatzpflanzen einplanen

Zu diesem Punkt sind auf den Seiten der Gartenakademien ausführliche Beschreibungen vorhanden. Mir ist schon klar, wie schwierig es ist, sich von gewissen Pflanzen zu trennen. Gerade alte, prachtvolle Einzelpflanzen liegen uns am Herzen. Eventuell noch mit einer persönlichen Vorgeschichte greift das schon in unsere Gefühlswelt. Hier sehe ich auch eine gewisse Hartnäckigkeit angebracht.

Ich will diesen Einen unbedingt erhalten. Er wurde mir, beispielsweise als junge Pflanze zur Geburt der Tochter geschenkt. Über die Jahre entwickelte er sich zu einem Prachtstück. Das verstehen wohl sehr viele. So was gibt man nicht kampflos auf. Auch sind bei einer neuen Heckenpflanzung erhebliche Kosten da. Lassen sie sich, als Betroffener, die Angelegenheit mit allem Für und Wider durch den Kopf gehen.

Locker zusammengestellt sind das zurzeit die Fakten beim Buchsbaumzünsler. Keine Wundermittel, keine Geheimtipps, die was reißen, keine resistenten Pflanzen, auch keine Nützlinge die maßgeblich was bewirken und schon gar kein Superpflanzenschutzmittel. Nach dem Motto: „Einmal drüber, alles vorüber.“
Trotz dieser Ernüchterung behaupte ich, wer sich richtig kümmert kann seinen „Buchsen“, mit dem was zur Verfügung steht, helfen.

Viel Erfolg.


Quelle:
Hans Willi Konrad

Konrad Hans Willi Pflanzendoktor 2016 02


Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)
Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Rüdesheimer Str. 60-68
55545 Bad Kreuznach

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