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Tipps von Pflanzendoktor Hans Willi Konrad im September

Verwertung von nicht einwandfreiem Obst und Gemüse

Verwertung von nicht einwandfreiem Obst und Gemüse
Hans Willi Konrad ist "Pflanzendoktor" beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bad Kreuznach. Bei hanz-online gibt er Tipps für die richtige Pflege von Garten- und Zimmerpflanzen. Im September geht es um die Verwertung von nicht einwandfreiem Obst und Gemüse.

Einmal kommen solche Beeinträchtigungen am Erntegut durch parasitäre und nichtparasitäre Ursachen vor. So nennt der Fachmann bestimmte Schadbilder. Auf Deutsch: Parasitär bedeutet, der Schaden kommt durch Krankheiten oder Schädlinge. Nichtparasitär heißt, diese Erscheinungen kommen durch Nährstoffmangel, Anbauschwierigkeiten, Witterung und noch einiges mehr.

Bevor sie angeekelt den Kopf schütteln, richtig vergammeltes Zeug fliegt grundsätzlich in die Biotonne oder in den Kompost. Ich meine wortwörtlich in den Kompost. Oft sehe ich faulendes Obst und Gemüse obendrauf liegen. Das ist einfach schlecht. Das Zeug lockt unnötig Insekten, Ratten und Mäuse an. Außerdem können sich die Krankheitserreger von dieser Stelle ausbreiten. Pilzsporen werden vom Wind verweht - also vom Komposthaufen ein Teil abschaufeln, das Gammelzeug grob einmischen und wieder abdecken. Im Zweifelsfall, ob noch brauchbar oder weg, gilt es, das Obst oder Gemüse zu entsorgen.

Dafür sprechen ganz klar Gesundheitsgründe. Auch wenn ich selbst gerne erstmal sehr genau schaue, was noch zu gebrauchen ist. Besser ist es natürlich, wenn es überhaupt nicht zu Erkrankungen kommt. Die sind aber eigentlich nicht vermeidbar. Egal ob mit klassischen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet wird oder Stärkungsmittel zum Einsatz kommen. Ich habe einige Möglichkeiten, aus meiner Erfahrung, gesammelt, die eine gewisse Nutzung von nicht mehr einwandfreiem Erntegut zulassen.

Fäulen haben ihre Ursachen in mangelndem Pflanzenschutz, Sortenempfindlichkeiten, Witterung, Wasser-, Nährstoffmangel sowie diversen Schaderregern. Bekannt sind den meisten Hobbygärtnern Schäden an Obst und Gemüse durch Pilzkrankheiten (Krautfäule, Mehltau). In zweiter Linie können Insekten wie Wespen, Apfelwickler oder Raupen durch Fressen und Blattläuse durch Saugen Bedingungen für Erkrankungen schaffen. Alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Schadensbegrenzung sollten daher von vorne herein in Betracht kommen. Trotz aller Vorsorge haben wir immer mal Problemfrüchte.


Was geht?

So früh wie möglich Befallenes bearbeiten. Heißt, schon mal vor der eigentlichen Ernte das eine oder andere Mal in der Woche nachschauen. Liegt Obst schon auf dem Boden, gleich aufsammeln und auf Brauchbarkeit prüfen. Kleine Druckstellen sind problemlos. Eventuell rausschneiden und den Rest verwerten. Geht prima in Müsli, als Trockenfrüchte, Kuchen, Saft oder pur im Direktverzehr. Wer zeitig zur Stelle ist, hat keine großen Mengen an Fallobst zu verwerten. Eher kleinere Partien, die auch gut weggehen. Wird es zu viel, ist irgendwann die Familie satt und es muss konserviert werden. Unreifes Obst und Gemüse kann nachreifen. Als Klassiker kennen wir Tomaten.

Ein Raum mit Zimmertemperatur reicht. So bekommen wir zwar keine aromatischen Früchte, aber zu Suppengemüse, Ketchup usw. reicht es allemal. Mittlerweile sind auch unzählige Verwendungsmöglichkeiten für grüne Tomaten im Umlauf - von Chutneys bis gegrillte, grüne Tomaten. Allerdings ist eine gewisse Vorsicht angesagt. Grund ist das Solanin in grünen Früchten. Erwachsene sollten den Verzehr von grünen Früchten gering halten. Für Kinder empfiehlt es sich, ihn ganz zu lassen. Wichtig ist für mich, sich sehr genau vor dem Verzehr zu informieren. Es gibt ja auch grünabreifende Sorten.

Kleingärtner kennen die dunklen, schwarzen Flecken an der Tomatenfrucht. Auf der Seite, an der mal die Blüte war. Daher auch der Name des Schadbildes, Blütenendfäule. Auch diese Beschädigung lässt eine Nutzung des gesunden Bereiches zu. Das Dunkle wegschneiden und gut ist es. Ich hab die Reste gleich als Tomatenbrot gegessen.

Tritt die Kraut- und Braunfäule im Bestand auf, muss schnell gehandelt werden. Zuerst gilt es, alle ungeschädigten Früchte abzuernten. Ich hab auch die geerntet, die noch klein waren. Manche reifen doch noch nach, wegschmeißen können wir immer noch. Als Kleingärtner hängt man halt an seinem Ertrag. Allerdings ist es sinnvoll, die eingelagerten Tomaten regelmäßig durchzuschauen. So kann bei Fäulnisauftreten sofort die Beseitigung geschehen. Befallene Früchte sind nicht mehr brauchbar und daher ein Fall für die Biotonne. Die Pilzkrankheit ist in der Lage beim Menschen Gesundheitsprobleme zu verursachen.


Geschmackstest hilfreich

An Möhren, viele nennen sie auch gelbe Rüben, kommt es manchmal zu den grünen Schultern. Das ist ein Anbauproblem. Es entsteht, weil sich die Möhre aus der Erde drückt. Um sich vor der Sonneneinstrahlung zu schützen, verfärben sich die freiliegenden Bereiche grün. Sie haben einen bitteren Geschmack. Einfach das Grüne abschneiden und die Restmöhre wie sonst auch verarbeiten.
Äpfel oder Birnen mit ein paar Schorfflecken sind eventuell auch noch verwendbar. Natürlich sind sie unansehnlicher und im Geschmack schwächer. Aber geschält und sauber rausgeschnitten, ist Saft, Direktverzehr, Kuchen und Kompott machbar.

Ein vorheriger Geschmackstest ist hilfreich. Schmecken sie unangenehm, Finger weglassen. Das wissen sie aber auch. Dafür brauchen sie mich nicht. Ebenso können sogenannte glasige Äpfel noch genutzt werden. Die Glasigkeit ist eine Stoffwechselstörung beim Apfel. Um das Kerngehäuse ist das Fruchtfleisch wässrig, durchscheinend. Ursache ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels durch hohe Temperaturen und starke Sonneneinwirkung.

Zusätzlich spielen starkes Triebwachstum, zu gut gemeinte Düngung, strammer Rückschnitt eine Rolle. Außerdem gibt es Sorten die schneller zu Glasigkeit neigen. Egal, die Früchte sind noch zu gebrauchen. Bei Quitten ist diese Erscheinung ebenfalls bekannt. Rechtzeitig entdeckt ist eine Verarbeitung zu Gelee oder Brei möglich. An beiden Obstsorten können Stippe und Fleischbräune als weitere Störungen auftreten. Für sie gilt ebenfalls, dass Früchte nutzbar sind, solange sie nicht zu heftig beschädigt sind. Für eine Lagerung sind sie nicht brauchbar. 

Im Herbst schaffen wir es manchmal, nicht alle Weintrauben rechtzeitig zu verzehren. Ich lese dann die etwas unansehnlichen großzügig aus dem Traubenhängel raus. Meine Frau verarbeitet die guten in Getränken, Cremes, Gelee und Obstsalat. Blattläuse gelten bei vielen Kulturpflanzen als Überträger von Viruskrankheiten.


Vorsicht bei bitteren Zucchini

Bei vielen Zwetschgen und Pflaumen kommt der Scharkavirus vor. Optisch sind auf der Haut gelbliche, ringförmige Verfärbungen zu sehen. Das Fruchtfleisch verbräunt mit der Zeit. Befallene Früchte verlieren an Geschmack. Für Menschen ist dieser Virus ungefährlich. Eventuell können sie ganz leicht befallene bzw. optisch gesund aussehende Früchte nach einem Geschmackstest doch noch verarbeiten. Kürbisse, die nicht einwandfrei sind halten nicht lange. Was geht, sofort verwerten. 

Grundsätzliche Vorsicht ist bei bitteren Zucchini angeraten. Auch bei anderen Früchten, die untypisch, unnormal schmecken. Vor wenigen Jahren ging ein Bericht durch die Presse. Ein Mann hatte ein bitter schmeckendes Zucchinigericht verzehrt. Er ist an den darin enthaltenen Schadstoffen gestorben. Also bei merkwürdigem Geschmack kein Verzehr und entsorgen. Kohlpflanzen die Fraßschäden durch Raupen zeigen, können noch teilweise nutzbar sein. Durch großzügiges putzen, was natürlich aufwendig ist, kann ich noch einen Teil meiner Ernte retten. Gleiches gilt für verwachsene Möhren. Gut putzen und als geschnippeltes Gemüse eingefrieren bzw. sofort verzehren. 

Natürlich gibt es noch etliches mehr. Ich will ihnen auch nur einen Anstoß geben, um nicht ganz astreines Erntegut einer vernünftigen Nutzung zuzuführen. Mir ging es immer so. Erstmal geflucht wegen dem Mehraufwand und weil es halt gärtnerisch nicht geklappt hat. Am Ende aber dann doch gefreut, weil durch Hartnäckigkeit ein Teil gerettet wurde. Fast hätte ich es vergessen: Mancher Gärtner nennt noch Kleinvieh sein Eigen. Die Hühner, Hasen usw. freuen sich über die Futterabwechslung.

Abschließend ist es mir wichtig, dass sie entscheiden, was noch sinnvoll zu gebrauchen ist. Wie schon erwähnt - im Zweifelsfall weg damit. Wegen ein paar zweifelhafter Äpfel wird nicht die Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Sicherlich hat der eine oder andere schon Erfahrung gesammelt. Im gärtnerischen Umfeld sind bestimmt noch Tipps zu holen.


Quelle:
Hans Willi Konrad

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)
Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Rüdesheimer Str. 60-68
55545 Bad Kreuznach

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