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Kurios-furioses Schulkonzert, aufgetischt von "Fourschlag" und "Kreuznach Klassik"

Alles, was man trommeln, schlagen oder klopfen kann



Bad Kreuznach, 07.11.2017
Wo „classic“ draufsteht, ist meist Herkömmliches anzutreffen, wo „Klassik“ sich ankündigt, kann es hingegen auch munter und experimentell zugehen. So erlebten es am Montag, 06.11.2017, Schülerinnen und Schüler der drei Bad Kreuznacher Gymnasien in der LiHi-Aula. Dorthin hatte „Kreuznach Klassik“ zu einem Konzert eingeladen, dem ersten Schulkonzert überhaupt in dieser Veranstaltungsreihe.


Auf der Bühne stand das Fourschlag Percussion-Quartett, eine Musikerin und drei Musiker aus Koblenz, Trier und Saarbrücken. Ihre musikalische Heimat sind Philharmonische Orchester, ihre Instrumente Schlagzeuge und Schlagwerke jedweder Art. Ihr Anliegen ist, mit der schier unbegrenzten Fülle an Klangkörpern für Rhythmus und Musik zu überraschen. Schließlich seien die Trommler die wohl einzigen Musiker, die ohne Instrument Lärm und Krach machen können, sagte Hans Rudolf (Solopauker und Schlagzeuger im Philharmonischen Orchester der Stadt Trier). 

Im ersten Teil des Konzerts ging es minimalistisch zu: zurückhaltend in der Klangfülle, aber umso differenzierter in der Ausführung. Die Musiker stellten „Phasing“ vor, eine Kompositionstechnik in der Minimal Music, bei der zwei Musiker nur beinahe gleich schnell dieselbe Musik spielen. Die Töne des einen setzen zum Überholen an, zaghaft, aber stetig. Dankenswerterweise erklärten Hans Rudolf und sein Kollege Michael Zeller, was da zu sehen und zu hören war. Ein Chaos, wie sie sagten, aber eben ein wohlsortiertes: „Das klingt ein bisschen durcheinander. Schließlich rastet das Ganze wieder ein, aber um eine Note verschoben.“
 

Konzentration ist alles



"Clapping Music".

Statt stufenlos, kann die Verschiebung auch blockweise erfolgen, wie es Sikiko Idei und Michael Zeller mit „Clapping Music“ demonstrierten: Während die Musikerin ihr „Pattern“ unbeeindruckt weiterklatschte, setzte Michael Zeller mit zunächst demselben Motiv ein, das dann aber in Bewegung geriet. Verschiedenfarbige „Bausteine“ visualisierten für das Publikum das Fortschreiten dieser Verschiebung.

Das Ergebnis solcher Verschiebungen sind vielfältige neue Strukturen, die man heraushören kann, deren man sich aber wohl erst mit Übung richtig bewusst wird. Nachvollziehbar ist aber sofort, dass diese Art des Musizierens den Musikern eine extrem hohe Konzentrationsleistung abverlangt. Erst recht, wenn die Pattern im Musikstück sich noch aufbauen, sich dann verändern und miteinander koordiniert sein wollen. Bei dem Stück „Drumming“ von Steve Reich ist dies zu erleben. Zwei Musiker (an den vorderen Instrumenten) spielen das eigentliche „Phasing“, die Musiker an den hinteren Bongos haben die Aufgabe, neu entstehende Melodiefragmente zu verstärken.




Im Original rund 10 Minuten lang: „Drumming“ von Steve Reich.
 

Klack — Klack — Klackklackklack — Klackklackklackklack — Klack-Klack

Als Michael Zeller eine grüne Trillerpfeifer zur Hand nahm, war es Zeit für die Mitmachrunde im Schulkonzert. Eine Schulstunde lag hinter dem jungen Publikum, und seine Aufmerksamkeit bedurfte einer Auffrischung. Das klappte in Teilen unerwartet gut (so der Musiker), als nämlich in Ton und Rhythmus variierte Sequenzen nachgeklatscht werden sollten. Vergeblich versuchte der Mann mit Pfeife allerdings, den aus Stadien bekannten und hier als Fußball-Groove bezeichneten Fan-Alarm zu dirigieren. Zwar legte man gemeinsam los, kam aber nie gemeinsam zum Ende, was immerhin zu der erwünschten Erheiterung und Auffrischung beitrug.

Damit konnte es dann ans eigene Phasing gehen: Eine Saalhälfte klatschte - gemeinsam mit zwei Musikern - das grundlegende Pattern des Fußball-Grooves, die andere Hälfte klatschte - mithilfe der Trillerpfeife dirigiert - minimal verkürzte, und dadurch beschleunigte Pattern. Das Ergebnis war das erwünschte Ton-Tohuwabohu aus neuen Strukturen.





Nach einer Umbaupause richteten die Fourschlag-Musiker „Eine kleine Tischmusik“ an - streng nach „Rezept“, wie alle Stücke in diesem Konzert. Komponist der Kochlöffelmusik mit „Mahlzeit!“ ist Manfred Menke (Video ganz oben).

Es folgten weitere der versprochenen Rhythmus-Überraschungen: Körperteile als erstaunlich prägnante Resonanzkörper, hohl klingende Pappkartons, kaum hörbare Zündrädchen von Feuerzeugen und heftig gedribbelte oder beklopfte (Basket-)Bälle. 

Ein Dancefloor-Hit setzte den Schlusspunkt unter dieses Konzert, das in seiner Mischung aus Ernsthaftigkeit und Übermut, Professionalität und Spielfreude so lehrreich wie anregend war. Mithin genau das, was sich die Einlader von "Kreuznach Klassik" und Schulleiterin Anne Dicke für die Schülerinnen und Schüler erhofft haben dürften.

Thomas Gierse





Zum Finale alle Kraft voraus.

 

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