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Raumausstatter: „Handwerksnovelle ist ein Reinfall für die Kunden“

Meisterbetriebe garantieren handwerkliche Qualität und bilden Nachwuchs aus

Meisterbetriebe garantieren handwerkliche Qualität und bilden Nachwuchs aus
Die Novelle der Handwerksordnung von 2004, nach der Raumausstatter auch ohne Meister- oder Gesellenbrief einen Handwerksbetrieb führen dürfen, war ein Reinfall.

„Nicht nur für unseren Handwerksberuf, sondern vor allem für Verbraucher“, sagt Obermeister Helmut Schmidt von der Innung für Raumausstatter und Bekleidungshandwerke Rhein-Nahe-Hunsrück. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Novelle noch rückgängig gemacht werden kann. Schmidt: „Unqualifizierte Betriebe bilden nicht aus und enttäuschen ihre Kunden!“

Handwerksmeister Helmut Schmidt aus Pfaffen-Schwabenheim kämpft auf allen Fronten für sein Handwerk: als Obermeister seiner Innung, als Landesinnungsmeister, im Vorstand des Zentralverbands Deutscher Raumausstatter, im Zentralverband des Deutschen Handwerks und seit kurzem auch als Vertreter des Handwerksverbands in Brüssel. Bundesweit, klagt Schmidt, seien rund 30.000 Raumaustatter in den Handwerksrollen eingetragen, „davon sind 24.000 ohne jegliche Qualifkation!“ Lediglich 2.000 Meisterbetriebe arbeiten im Raumaustatter-Handwerk.

Die Anzahl der „Handwerker“, die ohne Eintragung in der Handwerksrolle mit einem Reisegewerbeschein ohne festen Betriebsort und nur mit einer Handynummer als „Raumaustatter“ Arbeiten anbieten, seien Legion: „Hier wird viel Schindluder getrieben und die Kunden abgezockt.“ Signale aus Berlin und aus Brüssel – und der hervorragende Ruf der dualen Ausbildung im Ausland – geben Schmidt Grund zum Optimismus, dass wenigstens in seinem Handwerk die Politik die Rückführung zur Meisterpflicht in Erwägung zieht.


Keine Hutmacher und Schneider mehr

Durch die Fusion 2010 mit den Modisten, Schneidern und Schuhmachern im Kreis, die unter denselben Problemen leiden, hatte die Raumausstatter-Innung als neue, 22 Mitglieder starke Innung für Raumaustatter und Bekleidungshandwerke Rhein-Nahe-Hunsrück kurzzeitig Auftrieb gewonnen. Mittlerweile zählt die Innung elf Meisterbetriebe. Hutmacher und Schneider sind keine mehr darunter.

Auch der inzwischen im Ruhestand lebende Schuhmachermeister Lutz Dittrich kann sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen die Kunden ihre Schuhe zu seiner Schuhmacherwerkstatt am Bad Kreuznacher Kornmarkt brachten. Seinen Meisterbetrieb hatte er 1990 gegründet uns bis Ende 2017 geführt. Auf der Herbstversammlung der Innung wurde er zum Ehrenobermeister ernannt.

Lutz Dittrich hatte als Obermeister fast 20 Jahre die Schuhmacher-Innung angeführt, bis zur Fusion der Innungen Schneider, Raumausstatter und Schuhmacher zum 1.1.2010. Seitdem arbeitete er als stellvertretender Obermeister mit. Zuvor war er jahrelang Lehrlingswart seiner Innung und engagierte sich in der qualifizierten Ausbildung des jungen Berufsnachwuchses. Im März 1999 wählten ihn die Mitglieder seiner Innung zum Obermeister.


Foto: Schuhmachermeister Lutz Dittrich hatte seine Schuhmacher-Innung seit 1999 als Obermeister geführt, bevor er sich 2010 als stellvertretender Obermeister der fusionierten Innung für Raumausstatter und Bekleidungshandwerke engagierte. Ende 2017 schloss er die Türen seiner Schuhmacherwerkstatt und ging in den wohlverdienten Ruhestand. Dem aktiven „Renntner“ konnte Obermeister Helmut Schmidt jetzt die Ehrenobermeister-Urkunde überreichen. Es gratulierten (von links): Raumaustattermeisterin Birgit Gnam, Raumausstattermeister Steffen Meininger, Obermeister Helmut Schmidt und Geschäftsführerin Silke Dittrich von der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück (rechts).

Quelle:
Marianne Reuter-Benz
Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück

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