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"Wir kommen wieder": Hilfe und Hoffnung durch Interplast-Einsatz in Mittelindien
Team um Dr. André Borsche operierte zum 5. Mal im Nytyaseva-Hospital

"Wir kommen wieder": Hilfe und Hoffnung durch Interplast-Einsatz in Mittelindien

Bad Kreuznach, 06.08.2019
Einmal im Jahr fährt das Bad Kreuznacher INTERPLAST-Team um Dr. André Borsche in das Nytyaseva-Hospital in Shevgaon in Mittelindien. Die Operateure und Therapeuten unterstützen die Arbeit eines von deutschen Schwestern errichteten Krankenhauses in vielerlei Hinsicht.
 

Diesen Bericht sandte uns Dr. Eva Borsche zu:

Wie ein Mangobaum das ganze Jahr über dunkelgrün-glänzend belaubt und schattenspendend bleibt, so bleibt unsere Partnerschaft zu den dortigen Schwestern und unseren Patienten das gesamte Jahr über lebendig. „Ein halbes Jahr bereiten wir Euren Einsatz vor, und ein halbes Jahr vergeht mit der Nachbetreuung“, so fühlt eine der zwölf indischen Ordensschwestern, die das kleine 128 Betten-Krankenhaus am Rande einer bäuerlichen Stadt leiten. 

Für die Nonnen sind die zwei Wochen unseres Aufenthaltes ein Höhepunkt ihres sonst kargen und arbeitsamen Lebens im Dienst der Armen. 24 Stunden täglich sind die Ordensschwestern unentgeltlich im Einsatz: Schlangenbissverletzungen, akute Verbrennungen, Krebs, Spätfolgen von Diabetes, die häufigen Selbstmordversuche mit Pflanzenschutzmitteln und ca. 3.800 Geburten begleiten sie pro Jahr. Ärzte sind rar. Es fehlt an Medikamenten, Verbandsstoffen und Spezialnahrung für die Patienten.

Seit 1969, als das Krankenhaus mit Labor, Küche, OP, Kreissaal, Isolierstation, Internat und Schwesternschule für 60 mittellose Mädchen in einer weitläufigen Gartenanlage von deutschen Schwestern erbaut wurde, ist dieser Ort Zuflucht und Trost für Leidende und Beladene. 50% der meist nicht versicherten Patienten bezahlen nur eine kleine Anerkennung, 10% vermögen nicht einmal das. Abgewiesen wird aber niemand.
Die wertvolle Arbeit unserer Schwestern, die weite Besuchsfahrten in abgelegene Dörfer, Impf- und Aufklärungsprogramme, aber auch seelischen Beistand und mitmenschlichen Rat beinhaltet, ist nur durch Spenden auf Dauer möglich.


2019-08-06 Interplast Borsche Mittelindien wartende Patienten

Wartende Patienten am Nytyaseva-Hospital.

 

Unterstützung hinterlässt Spuren

Wie der Mangobaum beständig wächst, hinterlässt neben unserer medizinischen Arbeit auch unsere fünfjährige finanzielle Unterstützung immer umfangreichere Spuren. Nach unserem ersten Einsatz 2015 konnte der Operationssaal restauriert und erweitert werden, 2016 wurde die Einrichtung mit OP-Tisch und -Lampen komplettiert, 2017 gab es 25 breite Krankenhausbetten samt Nachttischchen für die chirurgische Abteilung, 2018 Decken, Kissen und Bettwäsche für 25 Patienten. Nun, 2019, bat die leitende Ordensschwester zaghaft um einen Zuschuss für eine Heißmangel. Kann man das ablehnen?

„Oh, wie sieht es denn hier aus?“, erschrak sich unsere OP-Schwester, als wir die anderen Stationen des Krankenhauses besuchten: niedrige, verrostete Bettgestelle mit dunklen, verschmutzten Plastikauflagen ohne Laken dienen den Schwerkranken als Lager. Die begleitenden Angehörigen liegen daneben auf blankem Steinfußboden.

Auch unsere Arbeit wächst räumlich wie ein Baum … Im Gegensatz zum vorigen Jahr konnten wir diesmal synchron in zwei Operationssälen gleichzeitig arbeiten und so 218 Eingriffe in 13 Tagen bewältigen. Gegenüber dem OP-Trakt wurde ein Physiotherapieraum eingerichtet, in dem später auch die Verbandswechsel stattfanden. Der war den ganzen Tag über mit lachenden Menschen gefüllt!

 

Das Interplast-Team


2019-08-06 Interplast Borsche Mittelindien Einsatzteam


Anna-Lena Herter, Physiotherapeutin aus dem Physiopoint Rüdesheim,
war zum zweiten Mal mit dabei und unermüdlich im Einsatz. So „beturnte“ sie über 10 Tage einen Vierjährigen auf der Entwicklungsstufe eines fünfmonatigen Säuglings und leitete die Eltern an. Beim Abschiedsfest konnte der Kleine schon erste Tanzschritte wagen! Ein Ingenieur, der durch einen Stromschlag die Finger seiner rechten Hand verloren hatte, trainierte mit ihr intensiv 5 Tage lang vor der Operation. Nun wird er deutlich besser von der Vertiefung der Mittelhandfalte profitieren und präziser greifen können.

Zum ersten Mal mit dabei war Heike Schwab aus der Hunsrück-Klinik in Simmern. Sie brachte ihre reiche Erfahrung aus vielen Jahren im Operationssaal und in der Flüchtlingsarbeit mit. Mit viel Einfühlungsvermögen und Geschick behielt sie Überblick und Kontrolle über teils sieben verschiedene indische Schwesternschülerinnen, die während laufender Operationen hier und dort und am besten alle gleichzeitig bei ihren ersten Schritten in die Welt der Hygiene und Sterilität begleitet und geleitet werden wollten.

Silke Stegmann aus Hamburg ist Anästhesieschwester, Rettungsassistentin, Schwester auf Kreuzfahrtschiffen und Feuerwehrfrau. Auch wenn es mal brenzlich wurde, sie hielt immer eine Lösung bereit und hatte in den zwei OP-Sälen und auf dem Flur, der gleichzeitig Vorbereitungs- und Aufwachraum war, bis zu fünf Patienten unter ihrer Kontrolle.

Prof. Dr. Sabine Jelen-Esselborn, emeritierte Oberärztin aus München, brachte ihre Erfahrung aus jahrzehntelanger Leitung der Intensivabteilung durch anspruchsvolle Narkosen mit ein und trug viel zu Wohlbefinden und Sicherheit der Patienten bei.

Dr. Gabi La Roseé, ehemalige Chefärztin der Anästhesie aus Essen, brachte die größte Tropenerfahrung mit. Sie leitete eine Woche zuvor noch einen gynäkologischen Einsatz in Indien und plante anschließend nach Bangladesh zu reisen, um dort junge Anästhesisten auszubilden. Bei uns hat sie in diesem Jahr  die Oberarmanästhesie perfektioniert, sodass die Handoperierten viel schneller schmerzfrei wurden.

… denn Handoperationen hatten wir in diesem Jahr viele. Zusammengewachsene Finger, durch Verbrennung verkrüppelte Handrücken oder Fehlbildungen bei Kleinkindern wurden mit der Hilfe von Dr. Mailin Borsche vom Krankenhaus in Ingolstadt in kurzen OP-Zeiten und ohne eine einzige Wundinfektion operiert. Nach Entfernung von Knochendraht und Metallklammern konnten unsere kleinen Freunde bald ihre Finger wieder frei bewegen.

Unter Teamleitung von Dr. André Borsche konnte ein breites Operationsspektrum bewältigt werden. Neben großen Krebsoperationen, Entfernung von riesigen Blutadergeschwulsten, feinen Augenlidkorrekturen oder dem Verschluss von offenen Gaumen- oder klaffender Lippenspalten wurden vor allem schwere Verbrennungsfolgen operiert. Dies erfolgte unter naturheilkundlicher Begleitung durch Dr. Eva Borsche, die sich auch für die Wundheilung und Nachsorge der Patienten rührend engagierte.

 

Wir kommen wieder!


2019-08-06 Interplast Borsche Mittelindien Dankesfest


Zum Abschiedsfest (Foto) unter freiem Abendhimmel waren dann alle Patienten fröhlich erschienen. Die Schwesternschülerinnen tanzten, ein 7-Jähriger mit einem großen Gipsarm hatte ein Lied für uns einstudiert und die Patientenmütter zwei süße Torten organisiert. Überall überwältigende Dankbarkeit und Herzenswärme. Ja, wir kommen wieder! Helfen wir denen, die noch eine zweite dritte Operation brauchen, oder die jetzt erst von uns gehört haben! Die Warteliste für 2020 ist schon fast voll! Auf Wiedersehen im nächsten Jahr in Mittelindien. 

Lassen wir den Mangobaum weiter wachsen! 

Eva Borsche



 

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