2016-09-27_Gewobau.jpg
GUT-Skyscraper-Wohlfuehlen-160x600.jpg
Twitter-Box


Nachrichten aus der Region
  • Bingen:
    Vize-Präsident der Sokai Gakkai und Mitarbeiter zu Besuch in Bingen ...weiterlesen
  • Bingen:
    Bei der VHS Bingen eine Woche lang intensiv Italienisch lernen ...weiterlesen
  • Simmern:
    Ausbildung Pflegefachkraft an zwei Standorten im Rhein-Hunsrück-Kreis ...weiterlesen

Anzeigen
2019-11-05_02ENK_Button_Lackner.jpg
 

hanz direkt
20.01.2020
- B 420 Meisenheim: Heftiger Zusammenstoß von Pkw und Lkw bei tief stehender Sonne ...weiterlesen >>
 
20.01.2020
- Wörrstadt: Rücksichtslose Feldweg-Raserin gefährdete Spaziergänger. ...weiterlesen >>
 
20.01.2020
- Mainz: In verschlossenem Raum zwischen Aufzug und Treppenhaus gefangen ...weiterlesen >>
 
20.01.2020
- VG Kirner Land: 32-Jähriger fuhr Auto ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss ...weiterlesen >>
 

Perspektiven-PROMOTION
Boehringer Ingelheim bildet in 20 verschiedenen Berufen aus
Boehringer Ingelheim bildet in 20 verschiedenen Berufen aus
Ausbildung hat bei Boehringer Ingelheim eine lange Tradition - sie ...weiterlesen
 
Perspektiven-PROMOTION
Sparkasse Rhein-Nahe: Jugendfiliale ist Baustein einer vielfältigen Ausbildung
Sparkasse Rhein-Nahe: Jugendfiliale ist Baustein einer vielfältigen Ausbildung
12 Auszubildende aus dem dritten Ausbildungsjahr bei der Sparkasse Rhein-Nahe ...weiterlesen
 
Sympathie-PROMOTION
Wärme zum Wohlfühlen vom Ofenfreund
Wärme zum Wohlfühlen vom Ofenfreund
Wenn die Jahreszeiten nicht halten, was sie versprechen, spürt man ...weiterlesen
 
Perspektiven-PROMOTION
URANO bietet auch für 2020 Ausbildungsplätze an
URANO bietet auch für 2020 Ausbildungsplätze an
Die URANO Informationssysteme GmbH mit Hauptsitz in Bad Kreuznach ist ...weiterlesen
 
Sympathie-PROMOTION
Zeitgemäß mobil mit den Honrath-Autohäusern
Zeitgemäß mobil mit den Honrath-Autohäusern
Maßgeschneiderte Angebote für jeden Bedarf unserer Kunden — dafür stehen ...weiterlesen
 

68 Jahre nach Auschwitz-Befreiung: Gedenken gilt auch den jüdischen Nachbarn
Erinnerung an Namen und Schicksale am Mahnmal in der Kirschsteinanlage

68 Jahre nach Auschwitz-Befreiung: Gedenken gilt auch den jüdischen Nachbarn

Vor 68 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit. Die Nationalsozialisten hatten dort mehr als eine Million Menschen getötet. Die Besucher einer Gedenkveranstaltung am Ehrenmal in der Bad Kreuznacher Kirschsteinanlage führten sich am Sonntag vor Augen, wie menschenverachtend damals auch mit Nachbarn aus den Bad Kreuznacher Gassen umgegangen wurde.

Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer zitierte die Rede Marcel Reich-Ranickis, die er als Überlebender des Warschauer Gettos am 27. Januar 2012 vor dem Deutschen Bundestag hielt. Darin berichtete Reich-Ranicki von den ersten spürbaren Veränderungen im Ghetto im Frühjahr 1942. Damals bestand der sogenannte „jüdische Wohnbezirk“ seit zwei Jahren. Am 20. Und 21. Juli 1942 wurde deutlich, dass Schlimmes bevorstand: viele Menschen wurden auf der Straße erschossen oder verschleppt.

Marcel Reich-Ranicki arbeitete damals als Übersetzer des Judenrates im Warschauer Ghetto, einer Art Amt und ein Bindeglied zwischen der nationalsozialistischen Besatzungsmacht und den einfachen Menschen im Ghetto. In dieser Funktion war er unmittelbar beteiligt, als die Nazis die beginnende sogenannte „Umsiedlung“ der Juden nach Osten verlautbarten und brutal umsetzten.

Reich-Ranicki: „Noch am selben Tag, am 22. Juli 1942, sollte der Jüdische Ordnungsdienst, der die Umsiedlungsaktion unter Aufsicht des ‚Judenrates’ durchführen mußte, 6000 Juden zu einem an einer Bahnlinie gelegenen Platz bringen, dem Umschlagplatz. Von dort fuhren die Züge in Richtung Osten ab. Aber noch wußte niemand, wohin die Transporte gingen, was den ‚Umsiedlern’ bevorstand.“

Von „aufknüpfen“ und erschießen war die Rede, wenn die Nazi-Schergen ihren Worten mehr Gewicht verleihen wollten. Dass sie dies auch so meinten, wurde schnell klar. Auch wurde die Zahl der täglich zu deportierenden Juden auf 7000 erhöht. So viele Menschen passten in die zur Verfügung stehenden Viehwaggons.

Reich-Ranicki: „Die in den Vormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka dauerte bis Mitte September. Was die ‚Umsiedlung’ der Juden genannt wurde, war bloß eine Aussiedlung – die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: den Tod.“

Soweit die Geschehnisse in Warschau. „Auch hier in Bad Kreuznach wurden Juden und andere Menschen verfolgt und entrechtet“, fuhr die Oberbürgermeisterin fort. Menschen wie du und ich, die sich um Auskommen und Familien kümmerten und sich am öffentlichen Leben beteiligten. Irgendwann brach diese Welt in Stücke, und die jüdischen Bürger wurden ausgegrenzt, bedroht und ermordet.

Schülerinnen und Schüler aus Bad Kreuznacher Gymnasien trugen die Namen dieser NS-Opfer aus Bad Kreuznach vor. Zu manchen gab es einen kurzen Abriss ihres Schicksals als Gefangene und Todgeweihte, bei vielen ist nur bekannt, dass sie vermisst werden und als Opfer der Tötungsmaschinerie in Auschwitz für tot erklärt wurden.

Über das Töten in den Vernichtungslagern wurde penibel Buch geführt. Die Toten erhielten Sterbenummern, und die Lagerärzte schrieben absurde Todesursachen in die Sterbeurkunden. Der würdelose Umgang mit den zumeist jüdischen Menschen setzte sich noch nach ihrer Tötung fort.


Namen und Schicksale Bad Kreuznacher Juden

Heinz Bernhard Lipki (Bad Kreuznach, *7.8.1912), wohnhaft in Berlin, war nach Belgien geflohen. Am 11. August 1942 wurde er mit Transport Nummer II aus dem Durchgangslager Mechelen (Malines) nach Auschwitz deportiert. Dort starb er am 29. September 1942 um neun Uhr. Die laufende Sterbenummer lautete 33214/1942. Lagerarzt Dr. Meyer hat „Fleckfieber“ als Todesursache angegeben.

Die Geschwister Edith Vogel (Bad Kreuznach, *10.9.1922) und Günter Vogel (Bad Kreuznach, *6.6.1924) hielten sich 1942 in Nancy in Frankreich auf. Sie wurden am 28. Juli 1942 mit Transport Nummer 11 aus Drancy nach Auschwitz deportiert. Vierzehn Tage nach Vollendung ihres 20. Lebensjahres starb Edith Vogel am 24. September 1942 um 18 Uhr. Ihr Tod wurde unter der laufenden Sterbenummer 32571/1942 registriert, und als Todesursache hat der Lagerarzt Dr. Meyer „Akuter Magen- und Darmkatarrh“ angegeben.

Günter Vogel war im 19. Lebensjahr, als er am 12. Oktober 1942 um 19.45 Uhr starb. Dieser Todesfall steht unter der laufenden Sterbenummer 35587/1942 im Sterbebuch von Auschwitz, Band 24/3/1942. Die vom Lagerarzt Dr. Kremer angegebene Todesursache war „Sepsis bei Pneumonie“.

Diese jüdischen Bürgerinnen und Bürger Bad Kreuznachs gelten als in Auschwitz verschollen bzw. wurden für tot erklärt:

Hermann Baruch (*1894)
Bertha Benjamin, geb. Sommer (*1899)
Max Brück (*1884)
Hans Jakob David (*1904)
Coeline Eiser, geb. Metzger (*1877)
Rosa Epstein (*1910)
Ernst Jacob Hesdörffer (*1926)
Hedwig Emma Juda, geb. Strauß (*1882)
Klara Klein, geb. Michel (*1876)
Jeanne Krzesny (*1910)
Dr. med. Julian Landau (*1891)
Richard Marx (*1893)
Hugo Michel (*1875)
Otto Michel (*1879)
Richard Ludwig Neuberger (*1880)
Antonie Noher, geb. Epstein (*1905)
Siegmund Rothschild (*1889)
Elsa Schott, geb. Rothschild (*1882)
Erna Schwarz, geb. Levy (*1895)
Lotte Schwarz (*1923)
Elisabeth/Ella Seligmann, geb. Simon (*1879)
Elsa Steinhaus, geb. Marx (*1886)
Adele Elsa Stoppelmann, geb. Vogel (*1877)
Werner Strauß (1928)
Jenny Teutsch, geb. Arfeld (1895)
Pauline Winterschweig, geb. Wolff (*1879).
Ida Mayer, geb. Wolf (*1895) aus Planig
Johanna Mayer, geb. Wolf (*1890) aus Planig

Herta Hill (Bad Kreuznach, *23.10.1916; evangelisch) wohnte zuletzt in Königsberg in Ostpreußen. Sie starb am 2. März 1943, 7.05 Uhr. Unter der laufenden Sterbenummer 12595/1943 ist ihr Tod im „Sterbebuch“ vermerkt. Als Todesursache hat der Lagerarzt Dr. Kitt „Herzmuskelinsuffizienz“ angegeben.

Adalbert Strutz (Bad Kreuznach, *13.8.1906; evangelisch), zuletzt wohnhaft in seinem Geburtsort, starb am 27. Juni 1943 im 14 Uhr. Registriert ist sein Tod unter der laufenden Sterbenummer 23214/1943. Lagerarzt Dr. Entress hat „Herzmuskelschwäche bei Magendarmkatharrh“ als Todesursache angegeben.

Anton Winterstein (Bad Kreuznach, *4.8.1869; katholisch) wohnte zuletzt in Otterswang. Sein Tod in Auschwitz am 18. Juni 1943, 9.20 Uhr, ist unter der laufenden Sterbenummer 23299/1943 eingetragen. Als Todesursache hat der durch seine umfangreichen pseudowissenschaftlichen medizinischen Experimente an Menschen berüchtigte Lagerarzt Dr. Mengele „Altersschwäche“ angegeben.

Katharina Wittlinger, geb. Immig (Bad Kreuznach, *26.7.1909; katholisch), zuletzt in Bad Kreuznach wohnhaft, starb am 27. Juni 1943 um 9.05 Uhr. Die laufende Sterbenummer lautete 24247/1943. Als Todesursache hat der Lagerarzt Dr. Thilo „Fleckfieber“ angegeben.

Aus dem Stadtteil Planig:

Auguste Bamberger (*1878, katholisch), gest. 20.10.1943, 7.10 Uhr: Sterbenummer: 30703/1943. Als Todesursache hat der Lagerarzt Dr. Josef Mengele „Herzwassersucht“ angegeben.


Diese Schülerinnen und Schüler beteiligten sich an der Gedenkfeier: Sebastian Graf, Antonia Beuscher, Johanna Dippel (Gymnasium am Römerkastell), Daniela Tran, Wilhelm Terporten, Tim Lenz (Gymnasium an der Stadtmauer), Patricia Wevers, Jonathan Kessler und Vivienne Scharff (Lina Hilger-Gymnasium)

Es musizierte Sophie Braun (LiHi).


Quelle: Thomas Gierse

2019-11-05_02ENK_Button_Lackner.jpg