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Was bleibt, ist die Erinnerung an jüdische Mitbürger
Stolperscheine zum Gedenken an Auguste Oppenheimer und Familie Baruch

Was bleibt, ist die Erinnerung an jüdische Mitbürger

Bad Kreuznach, 06.02.2020
75 Jahre nach der Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Auschwitz erinnern nun in Bad Kreuznach Stolpersteine an Karoline Baruch und vier ihrer fünf Kinder sowie an Auguste Oppenheimer.  Sie waren jüdischen Glaubens und wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und deportiert. In den Vernichtungslagern starben sie — vormals geachtete, teils wegen sportlicher Erfolge auch gefeierte Kreuznacher Mitbürgerinnen und Mitbürger.


In der Hochstraße 38 hatte Familie Baruch ihr Zuhause, in der Römerstraße 2 befand sich die letzte Wohnung, in der Auguste Oppenheimer frei leben konnte. Zwischen den grauen Pflastersteinen davor liegen nun „Stolpersteine“, deren auffällige Messingkappen Passanten aus den Gedanken reißen und mit dem Schicksal der jüdischen Bürger Bad Kreuznachs in Kontakt treten lassen. 

Der Künstler Gunter Demnig, der seit 1992 viele Tausend Stolpersteine gefertigt und in Deutschland und darüber hinaus verlegt hat, setzte die ersten sechs Bad Kreuznacher Steine am Mittwoch, 5. Februar 2020, in die Wege vor den Häusern. Gebete und Musik, Ansprachen der Oberbürgermeisterin und des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach sowie insbesondere Schilderungen aus dem Leben und über das Wesen der sechs Verfolgten verliehen dem handwerklichen Akt der Steinverlegung die feierliche Stimmung einer nachdenklich machenden Zeremonie.

Kerstin Bembenek-Zehmer, Urenkelin der am 30. August 1943 in Auschwitz vergasten Emma Reichert, geb. Baruch, und Gina Burgess Winning, Großnichte von Auguste Oppenheimer, ließen die Zuhörer mit ihren Vorträgen aus privaten Briefen und Stadtarchiv-Funden an der Familiengeschichte teilhaben. Die Schülerinnen Clara Wermter, Charlotte Gronen, Jennifer Burck und Helena Jost unterstützten die aus England angereiste Nachfahrin der Auguste Oppenheimer darin, schöne und bestürzende Momente im Leben ihrer Familie zu einem ebenso spannenden wie beklemmenden Rückblick in die jüngste deutsche Geschichte zu verdichten.





 

Auguste Oppenheimer

Auguste Oppenheimer war die jüngste Tochter einer Familie aus dem Taunus, Schwester von Karoline, der Urgroßmutter von Gina Burgess Winning. Augustes Mutter starb früh und ihren Vater versorgte sie. Nach dessen Tod zog sie 1901 als letzte aus dem Elternhaus aus und ging nach Kreuznach. Wie die Briefe zeigen, blieb sie in engem Kontakt mit ihren teils in Wiesbaden lebenden Schwestern – alles „starke, selbstständige Frauen“. Auch geschäftlich hielten die Schwestern zusammen, drei von ihnen eröffneten ein Korsettengeschäft, das Auguste auch in den 30er-Jahren noch betrieb. 

Nachdem es Übergriffe auf jüdische Geschäfte gegeben hatte, zog die Kauffrau Auguste 1933 aus der Mannheimer Straße 160 in die Römerstraße 2 um. Mit der Reichspogromnacht 1938 musste sie die völlige Zerstörung der Inneneinrichtung der Synagoge in der Fährgasse erleben, Angriffe auf jüdische Häuser und Geschäfte sowie die Inhaftierung zweier Neffen. Eine Abgabe, die die jüdischen Opfer zusätzlich verhöhnte, indem sie zur Bezahlung der Schäden aus der Pogromnacht herangezogen wurden, eine geringere und schlechtere Versorgung mit Lebensmitteln, Kontaktverbote zu Nicht-Juden sowie das Verbot, Wäsche, Schuhe und Kleidung zu verkaufen, führten die Nationalsozialisten als weitere Schikanierung für die jüdische Bevölkerung ein. An Auswanderung war für „Tante Gustchen“, wie sie liebevoll genannt wurde, wegen zahlreicher bürokratischer und finanzieller Hürden nicht zu denken.

Im September 1941 musste Auguste Oppenheimer erstmals in ein Ghettohaus in der Schöffenstraße umziehen, später noch in die Hochstraße und schließlich wurde sie in ein sogenanntes Gemeinschaftslager, den Concordia-Saal in der Kurhausstraße, gesperrt. Von dort brachten die Bewacher sie am 27. Juli 1942 mit vorgehaltendem Gewehr zum Güterbahnhof. Sie war eine von 110 jüdischen Mitbürgern aus Bad Kreuznach, die nach Theresienstadt deportiert wurden.


2020-02-05 Stolperstein fuer Auguste Oppenheimer (tg) Kopie

Gina Burgess Winning und Schülerinnen gaben Einblicke in das Leben Auguste Oppenheimers und ihrer Familie.



„Dass Auguste im Alter von 79 die schreckliche Reise überlebt hat, ist beeindruckend“, sagt Gina Burgess Winning. Es folgte der Schock in Theresienstadt, wo die älteren Menschen statt des erwarteten Altersheims Massenunterkünfte in uralten Kasernen, Unterernährung, grauenhafte hygienische Bedingungen, übermäßige Kälte und Hitze sowie Ungeziefer vorfanden. Wie viele Ältere vor ihr, starb auch Auguste Oppenheimer nach nicht einmal zwei Monaten in Theresienstadt. 

„Dass sie solange überlebt hat, ist eine Hommage an ihre Belastbarkeit. Dass die schwere Prüfung nicht länger dauerte, ist ein Trost“, betonte die Großnichte, die neben ihrer Tante Auguste zwei weitere Verwandte in Theresienstadt verlor. Im Namen ihrer Verwandten in England, USA und Israel dankte Gina Burgess Winning, dass ihre Tante in dem Ort, wo sie 41 Jahre lebte, nicht vergessen wird.






 

Familie Baruch

Mit dem Concordia-Saal, wo Auguste Oppenheimer kurz vor ihrer Deportation eingesperrt wurde, hatte es auch für Familie Baruch eine besondere, eine zynische Bewandtnis. Denn dieser Ort des ausgelassenen Feierns, wo Karoline Baruchs Söhne Julius und Hermann 1924 nach dem Gewinn der Europameisterschaft als Gewichtheber beziehungsweise Ringer umjubelt worden waren, genau dort wurde auch Karoline Baruch eingesperrt und von dort aus deportiert.

Die Familie hatte wechselvolle Zeiten erlebt, schilderte Kerstin Bembenek-Zehmer. Sie war zum Ende des 19. Jahrhunderts aus dem armen Hunsrück nach Bad Kreuznach gekommen. Die Baruchs hatten fünf Kinder: Julius und Hermann, die als Sportler bekannt wurden, Adolf, den ältesten, 1891 geborenen Sohn, Johanna, genannt Hanna, sowie die älteste Tochter Emma, 1889 geboren. 

Das Leben in der Stadt ließ sich gut an, auch hinsichtlich der Judenfeindlichkeit, die im Hunsrück nicht eben gering gewesen war und sind nun, nach den sportlichen Erfolgen der Söhne Julius und Hermann, in eine ungeahnte Freundlichkeit wandelte, Hurrarufe und Versuche, die Hände der Sportler zu schütteln, inklusive: „Diese Anerkennung war für sie zuvor völlig unvorstellbar gewesen.“

Nach dem frühen Tod des Familienvaters nährte ein Gemüseladen in der Regie von Mutter Karoline die Familie. Sehr stolz war die Mutter darauf, dass alle Kinder, mit Ausnahme von Tochter Hanna, die den Laden übernehmen sollte, eine Berufsausbildung hatten. Neben ihrem Geschäft hielt sie die Familie zusammen. Hermann Baruch kaufte das Haus Hochstraße 38, wo er eine eigene Polsterei eröffnete und sein Bruder Julius, eigentlich ein Buchdrucker, einen Autoverleih mit einem Taxibetrieb führte. Auf dem ursprünglichen Haus der Familie Baruch in der Hochstraße 38 war noch in den 1980er-Jahren der Schriftzug „Autovermietung Julius Baruch“ zu lesen.

Am 27. Juli 1942 wurde Karoline Baruch in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Auswanderungspläne der Familie hatten sich zerschlagen. Nur Adolf Baruch gelang die Emigration, weil seine Frau Verwandte in Argentinien hatte, die für die Schiffspassage und als Bürgen einstanden. Hermann Baruch war nach Belgien geflüchtet und hoffte, sich dort mit Gelegenheitsarbeit eine Fahrkarte erwirtschaften zu können. Seit Kriegsbeginn war der Kontakt nach Hause abgerissen. Er schaffte es nicht, sich in Sicherheit zu bringen. 1942 wurde er in Belgien verhaftet. Nach Zwischenstationen in verschiedenen Internierungslagern wurde er am 26. August 1942 nach Auschwitz deportiert. Sein Todesdatum ist nicht bekannt.

Emma, verheiratete Reichert, lebte zuletzt wie auch ihre jüngere Schwester Hanna in Frankfurt. Im Februar 1943 wurde sie von einem Nachbarn denunziert. Vergeblich hatte man darauf gehofft, in der Anonymität der fremden Stadt sicherer zu sein. Wenig später wurde sie verhaftet und schrieb, als sie auf ihre Deportation wartete, an ihren Mann und ihre Kinder: „Meine Lieben, ihr wisst, wie gern ich bei euch wäre. Aber leider kann ich es nicht mehr sein. Sollte ich nicht mehr zurückkommen, so behaltet mich lieb, wie auch ich euch bis zum letzten Atemzug lieb behalten werde.“

"Im September 1943 lag ein amtliches Schreiben in der Post des Ehemannes: nur der Totenschein, ohne Erklärung. Am 30. August 1943 war Emma Reichert in Auschwitz vergast worden. Wenige Wochen später verhungerte ihrer Mutter Karoline im Konzentrationslager Theresienstadt. Von Johanna Baruch, nun Hanna Rosenberg, hörte die Familie nie wieder etwas", berichtete Kerstin Bembenek-Zehmer.

Die Familie — das waren fortan nur noch Julius Baruch und Amalie Baruch, die älteste Tochter von Emma. Sie wurde die Großmutter von Kerstin Bembenek-Zehmer, die bei der Stolperstein-Verlegung die Familiengeschichte erzählte. Amalies Onkel Julius kam kurz vor Kriegsende in Buchenwald um – nur zwei Monate bevor die amerikanische Soldaten dieses Lager befreiten. Der Kreuznacher Kreisleiter der NSDAP hatte es so gewollt.

Für Karoline Baruch und ihre Kinder Emma Reichert, Julius Baruch, Hanna Rosenberg und Hermann Baruch gibt es kein Grab auf dem jüdischen Friedhof, wo die Nachfahren hätten trauern können, erläuterte Kerstin Bembenek-Zehmer. „Nun werden wenigstens Stolpersteine mit ihren Namen an sie erinnern.“


2020-02-07 09-24-50 Stolperstein Familie Baruch Scan (tg)

Valeryan Ryvlin sprach als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach und Kerstin Bembenek-Zehmer (links daneben) berichtete von den Schicksalen ihrer Vorfahren aus der Familie Baruch. Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer (links) brachte ihren Dank gegenüber dem Künstler, den Schulen und Schülern sowie der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck.

 

Erinnerungskultur

Mit einer Gedenktafel am Ort des früheren Concordia-Saales in der Kurhausstraße, mit Mahnmalen in der Kirschsteinanlage und am Standort der zerstörten Synagoge sowie mit der Stele auf der Nahebrücke halten die Bad Kreuznach die Erinnerung an die Geschichte ihrer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger wach. Mit den Stolpersteinen gewinne die Erinnerungskultur in der Stadt noch eine neue Dimension, sagte Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer in ihrer Begrüßung zur Stolperstein-Verlegung. Denn nun bringe uns ein zufälliger Blick zu Boden in Kontakt mit dem Alltagsleben der deportierten Mitmenschen. 

Heike Kaster-Meurer bedankte sich beim Künstler Gunter Demnig, für sein großes Engagement, das ihn allein in diesem Februar in 29 Orte führe. Sie dankte der jüdischen Gemeinde und dem Arbeitskreis Erinnerungskultur für die Unterstützung und hob besonders das Engagement von Schüler*innen und Lehrkräften der IGS Sophie Sondhelm und des Lina-Hilger-Gymnasiums hervor. An die jungen Leute gerichtet sagte sie: „Ihr seid für uns die Hoffnung, dass das, was hier an Erinnerung stattfindet, in Zukunft tatsächlich gelebt wird.“

Der Kantor der jüdischen Gemeinde Noam Ostrovsky und Mitglieder der Gemeinde beteten zum Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus. Valeryan Ryvlin, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach, erinnerte daran, dass das Zusammenleben eine streitbare Toleranz voraussetze, und diese könne sich nur in Freiheit entfalten.

Thomas Gierse


 

hanz berichtete

Gedenken an Auschwitz: „Deutsche Geschichte ohne Schlussstrich“
Am 27. Januar 2020 jährte sich zum 75. Mal der Tag der Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Auschwitz. Mehr als eine Million Menschen wurde allein dort Opfer eines „beispiellosen Vernichtungswillens“ der Nationalsozialisten, erinnerte Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer in einer Gedenkstunde am Montag. Dies sei deutsche Geschichte, unter die wir keinen wie immer gearteten Schlussstrich ziehen können.
04.02.2020