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Konzert im Rahmen von Orgelerlebnistagen für Kinder

"Coolste Stücke" begeisterten neue und alte Freunde der Orgelmusik



Bad Kreuznach, 11.08.2019
Geht es um Orgelmusik, kommt man an Johann Sebastian Bach nicht vorbei; geht es um „coolste“ und bekannteste Orgelwerke, steht seine „Toccata und Fuge in d-Moll“ ganz oben in der Hitparade. Dass man mit Begriffen, die aus der Unterhaltungsmusik bekannt sind, hier keineswegs falsch liegt, zeigte ein Konzert mit klassischer, vermeintlich ernster Musik am Samstag, 10. August 2019, in der Bad Kreuznacher Pauluskirche.

Zu diesem Konzert, dessen Programm „die coolsten Stücke, die je für Orgel geschrieben wurden“ versprach, hatten Cindy Rinck und Joachim Schreiber eingeladen. Sie ist Kantorin an der Pauluskirche in Bad Kreuznach, er ist Kantor an der Stephanskirche in Simmern; gemeinsam boten sie in der letzten Schulferienwoche „Orgelerlebnistage“ für Kinder an. Im Rahmen dieser Orgelfreizeit fand am Samstagnachmittag das Konzert „Coole Stücke“ statt.

Es richtete sich also in erster Linie an Kinder, was den schönen Nebeneffekt mit sich brachte, dass die beiden Interpreten ihre Musik auch erläuterten. Zu Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge in d-Moll etwa: die Fuge – was ist das? Eine „Flucht“, so, als liefen die Stimmen voreinander weg beziehungsweise als folgte – auf den Manualen – eine Hand der anderen oder auch – auf den Pedalen – die Füße den Händen. Ergänzend zu Joachim Schreibers Erläuterung und seinem Orgelspiel zeigte Cindy Rinck dann mit farbigen Blättern an, wo gerade zwischen oberem Manual und den Pedalen sich das Hauptmotiv/Thema der Fuge abspielte, dem dann die anderen Stimmen folgten.

Johann Sebastian Bach hatte ein Vorbild: den in Lübeck wirkenden Organisten und Komponisten Dietrich Buxtehude. Ihn besuchte Bach – zu Fuß von Thüringen aus, wie Cindy Rinck erzählte, und Bach blieb weit länger, als ursprünglich vorgesehen. „Aber das hat sich gelohnt“, so Rinck, denn Buxtehude galt als ein sehr wichtiger Komponist seiner Zeit.

Dietrich Buxtehude arbeitete als Organist und Verwaltungschef in der Marienkirche, einem großen Backsteinbau mit Nachhall. „Das hat ihn zu einer wunderbaren Musik inspiriert“, erklärte Joachim Schreiber, zu einer Musik mit Nachhall, die den Zuhörer sich manchmal fragen lasse: War es das oder geht es weiter? Bei der Toccata in d-Moll, gespielt von Joachim Schreiber, kommt dies zum Ausdruck.

Die dritte Toccata in diesem Konzert stammt von dem französischen Organisten und Komponisten Charles-Marie Widor. Der letzte Satz seiner 5. Orgelsinfonie in f-Moll gehört neben Bachs Toccata und Fuge in d-Moll zu den bekanntesten Orgelwerken überhaupt. 

Diese Toccata bezeichnete Joachim Schreiber mit Blick auf das junge Zielpublikum als einen „Rausschmeißer, bei dem die ganze Kirche wackelt“. Zuvor war es noch romantisch zugegangen (mit einer Orgelsonate von Josef Gabriel Ritter von Rheinberger), erbaulich und lehrreich (mit „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ – zunächst solistisch gesungen von Joachim Schreiber, dann – ebenfalls solistisch – als Triosonate gespielt von Cindy Rinck) sowie modern (mit einer Komposition des zeitgenössischen deutschen Kirchenmusikers Michael Schütz). 

Mit einem fulminant von Cindy Rinck vorgetragenen Widor im Ohr gingen hochzufriedene Konzertbesucher und mutmaßlich hochmotivierte junge Freunde des Orgelspiels nach Hause.

Thomas Gierse

 

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