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Schüler*innen nehmen besonders in puncto Ruhe Rücksicht

Schulhündin „Gretel“ sorgt für beruhigende und positive Wirkung an der BBS Bingen

Schulhündin „Gretel“ sorgt für beruhigende und positive Wirkung an der BBS Bingen
Schwanzwedelnd läuft Schulhündin Gretel im Büro von Ninja Driessen umher und lässt sich streicheln. Die Schulsozialarbeiterin arbeitet seit 7 Jahren an der BBS in Bingen und brachte der Schule erstmals das Konzept des Schulhundes näher.

Seit November 2015 begleitet die 8-jährige Mischlingshündin nun den Schulalltag. „Gretel hat eine sehr beruhigende und positive Wirkung auf die Schule, alle sind begeistert, eine Win-Win-Situation“, sagt  Martin Kosmus, Koordinator für schulfachliche Aufgaben der Schulleitung. Auch Sarah Frey, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Oppenheim, zieht ihre einjährige Labrador-Hündin Elsa in die Arbeit mit den Grundschülerinnen und Grundschülern mit ein und macht sehr gute Erfahrungen.

Im Schulkontext haben Schulhunde ganz unterschiedliche Funktionen: Grundsätzlich würden Gretel und Elsa den Zugang zur Schulsozialarbeit erleichtern und als „Eisbrecher“ fungieren. Denn oft würden Gespräche im Büro für Schulsozialarbeit mit etwas Negativem assoziiert. Die alleinige Anwesenheit der Hündinnen sorge bei Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern sowie Eltern für eine lockere Atmosphäre, selbst bei schwierigen Themen. Nun würden die Schülerinnen und Schüler sogar manchmal einfach so vorbeischauen, um Gretel zu streicheln, berichtet Ninja Driessen.

Sarah Frey fügt hinzu, dass die gelegentlichen Streicheleinheiten gerade für die Kleinen wichtig seien, da sie beruhigen und emotional entlasten würden. Zudem ist Elsa ein Motivator und führt die Kinder spielerisch an den Lernstoff heran. Gelegentlich begleitet Gretel auch den Unterricht: Ninja Driessen berichtet, dass die Klasse deutlich ruhiger wäre, wenn Gretel dabei sei. Es würde viel darauf geachtet, wie der Hund sich gerade fühle. Ist es zu laut, verhält sich Gretel entsprechend – sie legt die Ohren zurück. Die Schülerinnen und Schüler würden dann Rücksicht nehmen und aus eigener Initiative für Ruhe sorgen.

Der Einsatz des Hundes stärke das Bewusstsein für Grenzen und Verantwortung, fördere eine klare Kommunikation und schule das Lesen der Körpersprache. „Gretel kommt viel näher an die jungen Leute heran als eine Lehrkraft“, sagt Ninja Driessen. „Für Gretel sind alle Schülerinnen und Schüler gleich, sie ist vollkommen wertfrei, authentisch und hat keine Vorurteile. Diese Eigenschaften sind eine gute Abwechslung zum Schulalltag, der immer auch von Wertungen geprägt ist“. Neben dem Einsatz der Hündinnen im Gespräch und im Unterricht bieten die Schulsozialarbeiterinnen gelegentlich Gruppenarbeiten und AG‘s rund um das Thema Hund an. Bei „Hündisch für Anfänger“ werden die Schülerinnen und Schüler an das Tier herangeführt und beispielsweise die Körpersprache des Hundes sowie die Kommunikation zwischen Hund und Mensch thematisiert. Die Kinder der Grundschule Oppenheim machen zum Beispiel einen „Hundeführerschein“ und lernen wichtige Grundlagen zum richtigen Umgang mit Hunden.


Nicht instrumentalisieren

Beide Schulsozialarbeiterinnen sind mit Hunden aufgewachsen und haben früh bemerkt, wie positiv die Tiere auf Menschen, besonders Kinder, wirken. Auch Gretel und Elsa sind Familienhunde und werden vollkommen privat finanziert – wurden jedoch auch zu Zwecken des Einsatzes an den Schulen ausgesucht. Ninja Driessen sprach die Idee des Schulhundes beim Schulträger, der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, an und erhielt großen Zuspruch. Auch die Schulleitung, das Kollegium und die Eltern reagierten insgesamt sehr positiv auf den Vorschlag. Weiterhin wurden die ADD und das Veterinäramt über die Angelegenheit informiert. „Ein Schulhund bedeutet mehr als nur seinen Familienhund mit in die Schule zu bringen“, betont Nina Driessen. „Es sind einige Schritte zu gehen bevor ein Schulhund an einer Schule eingesetzt werden kann, doch diese haben sich in jedem Fall gelohnt!“. Der Landkreis Mainz-Bingen begleitet die Schulsozialarbeiterinnen und prüft regelmäßig, ob Hygienevorschriften eingehalten und das Training mit den Hündinnen weitergeführt wird.

Beide Schulsozialarbeiterinnen betonen, dass bei der Arbeit mit Gretel und Elsa immer darauf geachtet werden muss, dass der Einsatz des Hundes in diesem Moment passt oder nicht. Es sei wichtig, den Hund in keinem Fall zu überfordern und Signale richtig zu deuten. Im Büro von Nina Driessen habe Gretel einen Rückzugsort, der von allen respektiert würde. Es sei nicht Sinn und Zweck, einen Schulhund zu instrumentalisieren. Dies gilt natürlich auch für die Schülerschaft: Die Schulsozialarbeiterinnen stellen sicher, dass sich jeder in Gegenwart von Elsa und Gretel wohlfühlt – mögliche Allergien und Ängste werden natürlich vorher erfragt. Zudem arbeiteten sie einen Hygieneplan aus, an den sich strikt gehalten wird – beispielsweise das konsequente Händewaschen nach dem Streicheln.

Innerhalb von sechs Monaten wird ein Hund zum Schulhund ausgebildet: Neben Basiswissen zum Hund, Körpersprache und Ausdrucksverhalten, wird das Lernverhalten des Hundes und Stressmanagement thematisiert. Außerdem wird ein Konzept für die Arbeit in der Schule ausgearbeitet. Auch nach Beendung der Ausbildung ist es wichtig, regelmäßige Trainingseinheiten in den Alltag einzubauen.


Foto: Schüler Jonas Schneider mit Schulhündin Gretel (Quelle: Rebecca Beichert, Kreisverwaltung Mainz-Bingen).


Quelle:
Kreisverwaltung Mainz-Bingen

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