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Heldentum wird keineswegs erwartet

Landeskriminalamt: Wie weit geht Zivilcourage?

Weihnachten steht vor der Tür, das Fest der Nächstenliebe. Fraglich ist jedoch, ob die besonders zu dieser Jahreszeit propagierte Humanität über den Kreis der Verwandten und Bekannten hinausgeht. Würde man sich einmischen und so auch einer in eine Notlage geratenen unbekannten Person helfen?

Einer der wohl bekanntesten Fälle der vergangenen Jahre, in denen Solidarität und Hilfsbereitschaft gegenüber anderen vor Eigennutz stand, war der Fall Dominik Brunner. Der damals 50-jährige Manager war 2009 an einem Münchner S-Bahnhof von zwei Jugendlichen tödlich attackiert worden, nachdem er versucht hatte, mehrere Schüler vor den Angreifern zu schützen.

Im Jahr 2010 wurden in Rheinland-Pfalz 57.278 Fälle von Straßenkriminalität, wie beispielsweise Handtaschenraub, sonstige Raubüberfälle, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen und Plätzen sowie Diebstähle im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen gezählt. Trotz verstärkter polizeilicher Präsenz auf Straßen und Plätzen, Fahndungskontrollen sowie Razzien an gefährdeten Kriminalitätsbrennpunkten, ist bei der Verhütung von kriminellen Übergriffen auch die Mithilfe des Einzelnen notwendig.

Aber wie weit sollte die Hilfsbereitschaft reichen? Der Einzelne kann leicht in den Zwiespalt zwischen engagiertem, sozial-verantwortlichen Handeln und der Angst, in einer konkreten Situation selbst Opfer und Zielscheibe von Angriffen zu werden, geraten. Dies kann etwa für gewalttätige Angriffe und Bedrohungen, aber auch für Beleidigungen und Pöbeleien gelten. Einerseits müssen Werte und Überzeugungen verteidigt werden, andererseits sollte das Risiko, sich einer Gefahr für die eigene Person auszusetzen, vermieden werden.

Folgende Tipps gibt Ihnen das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz für ein couragiertes Verhalten:

- Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.
- Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf.
- Ich beobachte genau, präge mir Täter-Merkmale ein.
- Ich organisiere Hilfe unter Notruf 110.
- Ich kümmere mich um Opfer.
- Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung.

Neben diesen Handlungsanleitungen macht sich die Polizei etwa durch die schon seit vielen Jahren bestehende „Aktion-tu-was“ (www.aktion-tu-was.de) und die Aktion „Wer nichts tut, macht mit“ für mehr Zivilcourage im öffentlichen Raum stark. Über www.polizei-beratung.de sind zudem Informationsmaterialien erhältlich, die zur pädagogischen Anleitung an Schulen genutzt werden können, wie zum Beispiel die DVD „Weggeschaut ist mitgemacht“. Mittlerweile findet man dort sogar ein App der Polizei für das iPhone zum Thema.

Es wird also kein Heldentum verlangt. Oft können schon Kleinigkeiten in einer konkreten Situation große Wirkung erzielen und Tätern zeigen, dass die Gesellschaft nicht wegschaut. Die diesjährigen Preisträger des „Preises für Zivilcourage haben es vorgemacht. Wer sich entschlossen für andere Menschen und ein friedliches Zusammenleben einsetzt, kann helfen, die Gewalt aus dem öffentlichen Leben zurückzudrängen.

Quelle: Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz