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Mit "Meile der Demokratie" Zeichen für Toleranz, Weltoffenheit und Vielfalt gesetzt
Gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit

Mit "Meile der Demokratie" Zeichen für Toleranz, Weltoffenheit und Vielfalt gesetzt

Bretzenheim, 24.11.2019
"Dieses Land ist bunt und vielfältig – und das seid Ihr, alle die gekommen sind, um deutlich zu machen: Hier in Bretzenheim am Mahnmal ist kein Platz für rechtsextreme Aufmärsche und für Menschen, die eine Gesinnung haben, die von Rassismus und Menschenfeindlichkeit geprägt ist." Mit diesen Worten eröffnete Siegfried Pick vom Netzwerk am Turm e.V. die Veranstaltung. "Wir sind hier, um Demokratie und Vielfalt leben zu lassen und dafür haben wir die 'Meile der Demokratie' aufgebaut."


Die "Meile der Demokratie" ist eine gemeinsame Veranstaltung vom Netzwerk am Turm e.V. und des Bündnisses "Kreuznach für Vielfalt". Zum zweiten Mal war es den Veranstaltern wichtig, zu einem breiten Bündnis gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit aufzurufen – und das mit Erfolg: Etwa 400 bis 450 Demokraten trafen sich zwischen dem Ortseingang Bretzenheim und dem Mahnmal "Feld des Jammers". Viele gehören Verbänden, Vereinen und Organisationen an, aber Einzelpersonen setzten mit bunten und vielfältigen Ständen ein Zeichen für Toleranz, Weltoffenheit und Vielfalt. Damit positionierten sie sich gegen Rassismus, Ausgrenzung und Hetze.

"Diese Veranstaltung ist nicht links gegen rechts, wir sind Demokraten gegen rechts und mir ist es ein großes Anliegen, junge Leute zu mobilisieren, die sich für Demokratie engagieren – bunt, vielfältig und tolerant", so Anika Weinsheimer vom Jugendreferat des Kirchenkreises An Nahe und Glan. "Und wir haben 20 Institutionen und Organisationen, die mit noch mehr – und vor allem jungen Leuten – mitmachen".

2018 gab es fast ausschließlich Informationsstände. Das hat sich dieses Jahr erweitert: Neben Informationen wurde eine vielfältige Mischung aus Aktionen, Interaktionen, Mitmachen sowie Musik, Poetry Slam und Wortbeiträgen geboten, um zum Nachdenken anzuregen. Es wurde auch gemeinsam gekocht. Das Bündnis "Kreuznach für Vielfalt" verdeutlichte zudem mit bunten Schirmen, warum die Demokratie nicht im Regen stehen darf. Bunte Schirmen konnten am Stand der Kunstwerkstatt beschriftet werden.



Flagge zeigen

Das Netzwerk hatte in diesem Jahr Innenminister Roger Lewentz eingeladen, bei der "Meile für Demokratie" eine Rede zu halten. Er sagte prompt zu, da ihm diese Veranstaltung persönlich wichtig sei: "Man darf an Menschen denken, die durch einen schrecklichen Krieg umgekommen sind – auch an dieser Stelle. Man darf dieses Gedenken aber nicht missbrauchen. Wir müssen lernen aus diesem schrecklichen Krieg, wir müssen lernen, dass Vielfalt, Toleranz und Demokratie die einzige Möglichkeit ist, um ein friedliches Miteinander zu ermöglichen."

Bad Kreuznach stehe für Vielfalt, die Region stehe für Vielfalt, Rheinland-Pfalz stehe für Vielfalt, Deutschland stehe für Vielfalt und die ganze Welt müsse für Vielfalt stehen – "nur so geht das Miteinander, das wir uns wünschen, das wir uns vorstellen, dass wir sagen, wir wollen friedlich miteinander leben. Wir haben eine Demokratie. Diese Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss weitergeführt werden, und dafür muss man tagtäglich streiten und auf die Straße gehen und Flagge zeigen – und wir alle machen dies heute", so der Innenminister weiter.

Wer den Artikel 1 im Grundgesetz tatsächlich formuliert hat, weiß Lewentz nicht genau, aber es müsse eine sehr, sehr vorausschauende, kluge und weise Frau oder ein solcher Mann gewesen sein: Die Würde des Menschen ist unantastbar. "Da steht nicht die Würde des Deutschen, des Mannes, des Christen, des Nichtbehinderten, des Heterosexuellen, des Weißen – wie auch immer. Die Würde des Menschen ist unantastbar." Deswegen müsse Demokratie auch wehrhaft sein. "Und wenn wir heute hier stehen, sind wir wehrhaft. Wir lassen uns nichts gefallen, wir lassen uns diese Sprüche nicht bieten und wir sagen ganz eindeutig: Wir schützen unsere Gesellschaft, unsere tolerante und freie Gesellschaft, und wir wollen dieses bunte Miteinander, das hier so schön auch durch die Schirme dokumentiert wird. Und wenn wir miteinander eine Welt gestalten wollen, dann ist das, was Sie hier tun, wirklich der richtige Weg – die Grundlagen unseres Zusammenlebens zu erhalten. Sie kampflos aufzugeben, dafür bin ich nicht bereit", sagte Roger Lewentz zum Abschluss seiner Rede.

Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer ergänzte, dass es auch wichtig sei, im Alltag Flagge zu zeigen. Es gehe um das Miteinander, das Miteinander in "unserer Stadt. Demokratie lebt von Demokratinnen und Demokraten. Es braucht Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren, die den Anderen als Gleichen respektieren und das eigene Interesse nicht als Absolutes setzen. Das setzt vor allen Dingen auch Mut zu Kompromissen voraus – und genau an dieser Fähigkeit, Kompromisse zu schließen, mangelt es momentan gewaltig. Und das spüren wir auch", so Dr. Kaster-Meurer. Diskutieren und Debattieren auf der Grundlage von Fakten trete zunehmend in den Hintergrund. Ganz zu schweigen von den vulgärsprachlichen Girlanden, die das Ganze dann auch noch schmücke.


Dem Antisemitismus entgegentreten

"Nie wieder dürfen Hass und Gewalt zu solch verheerenden Kriegen führen", macht Superintendentin Astrid Peekhaus in ihrer Rede deutlich. "Nie wieder dürfen Menschen Opfer anderer werden. Nie wieder dürfen Menschen andere herabsetzen und ihnen ihre Würde nehmen. Ich war immer davon überzeugt, dass nach der Aufklärung über die Verbrechen der Nazizeit, braunes Gedankengut in Deutschland nicht mehr Fuß fassen könne, und nun muss ich wahrnehmen, dass es immer mehr Anhänger dieser menschenverachtenden Ideologie gibt. Antisemitismus breitet sich auch heute wieder aus." Und die Aufgabe, dem Antisemitismus entgegenzutreten, sei Christenpflicht und gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit. "In unserer Gesellschaft müssen alle eintreten für Frieden, für Demokratie, für Meinungsfreiheit, für respektvollen Umgang miteinander und gegen jede Form von Entwürdigung und Herabsetzung anderer Menschen", so die Superintendentin.

"Dass das gesellschaftliche Klima rauher wird, merken wir in vielem", betonte Peekhaus: "Fremdenfeindliche Angriffe und Hetze, politisch-motivierter Mord und Anschläge auf jüdisches Leben in Deutschland, Hatespeach, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Netz, Morddrohungen gegenüber Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen in dieser Gesellschaft und die Gesellschaft zu gestalten." 




Friedliches Miteinander bei Kräfteverhältnis 400:40

Manfred Thesing vom Netzwerk beendete die Kundgebung: "Wir danken der Polizei und dem Ordnungsamt für das reibungslose Miteinander in diesem Jahr. Die Kooperationsgespräche, die wir vorher geführt haben, sind gut gelaufen."

Alle, die an diesem Tag gekommen seien, gingen von der Gleichheit der Menschen aus – und die Zahl 400 bis 450 Menschen (nach Schätzung der Polizei), die sich an der "Meile für Demokratie" beteiligten, sei enorm hoch. Auch die Bretzenheimer haben sich in diesem Jahr an der Veranstaltung beteiligt. "Das ist, was wir uns seit vielen Jahren wünschen. Dass auch sie ein klaren Zeichen setzen", so Thesing. "Wir wissen, dass es nicht so schön für sie ist, Herr Budde (Ortsbürgermeister von Bretzenheim), dass am Mahnmal die eine und auch die andere Seite auftaucht, aber wir sind der Meinung, es ist unsere Pflicht als Demokraten, das hier zu machen. Solange 'die' kommen, kommen wir auch."

Roger Lewentz ging in seiner Rede auch auf die Rechtsextremen ein: "Wer Mitmenschen angreift, legt einen Sprengsatz an das Fundament unserer Gesellschaft. Wir zählen in unserem Land 24.000 Rechtsextremisten. Das Bundeskriminalamt schätzt die Hälfte davon gewaltbereit ein. Wir haben die Aufgabe, dieses Land vor jeder Art Extremismus zu schützen – Linksextremismus, islamistischer Extremismus –, aber in der heutigen Zeit ist die große Bedrohung diejenige, die von rechts kommt." 24.000 Rechtsextremisten in unserem Land seien 24.000 verwirrte Köpfe zu viel. "Und deswegen ist so ein Tag heute auch noch einmal ein klares Bekenntnis dafür, dass wir zusammenstehen. Wir überlassen denen an dieser Stelle nicht die Straße."

Befremdlich war das Auftreten der "Nazis", als sie sich am Mahnmal aufstellten, Fackeln in den Händen hielten und mit vulgärsprachlichen Girlanden, so wie es schon Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer bemerkte, ihr "Gedenken" abhielten. Schön zu sehen war, dass die Demokraten in eindeutiger Mehrheit waren. "Dieses Kräfteverhältnis – 400 Demokraten zu 40 Rechten – ist ein Zeichen, dass die Demokratie bei uns immer noch da ist", so Emanuel Letz, Polizei-Einsatzleiter bei der Veranstaltung. Die "Meile der Demokratie" sei wie erwartet friedlich verlaufen.

Natascha Lind