60 Jahre Michelin in Bad Kreuznach: Rückblick auf wegweisende Entscheidungen für die Region und Ausblick in wettbewerbsfähige Zukunft
Bad Kreuznach, 25. September 2026 //
Seit 60 Jahren rollen in Bad Kreuznach Michelin-Reifen vom Band. Der Reifenhersteller feierte dieses Jubiläum am Montag, 21. September 2026, mit einem Festakt in seinem Werk an der Nahe. Werkdirektor Guilhem Vogel begrüßte mehr als 130 Gäste aus den Konzernzentralen und aus der Politik.
Zu den Gästen zählten der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling, der französische Generalkonsul Nicolas Bergeret, Landrätin Bettina Dickes und Oberbürgermeister Emanuel Letz. Aus den Michelin-Konzernzentralen nahmen Welt-Industriedirektor Thirapol Muengnao, die Leiterin der Industrie in Nordeuropa Silvia Mata Nestares, Business-Direktor für Pkw-Reifen Daniele Rossi und Managing Direktor für die Region Deutschland, Schweiz, Österreich Markus Bast teil.
„Unser Werk in Bad Kreuznach hat eine Tradition und eine Kultur, die uns zu etwas Besonderem machen“, sagte Guilhem Vogel. Er bedankte sich ausdrücklich bei allen heutigen und früheren Beschäftigten für ihren Beitrag zur Entwicklung des Standorts. „Heute transformieren wir unser Werk mit der Unterstützung unserer Zentrale. Aber Transformation gelingt nur mit den Menschen. 60 Jahre sind ein guter Moment zurückzublicken. Aber vor allem sind sie ein guter Moment, nach vorn zu schauen. Mit Mut, Innovationsgeist und Verantwortung.“
Auch Personalleiterin Dr. Heike Notzon und Betriebsratsvorsitzender Thorsten Bayer hoben die Bedeutung der Mitarbeitenden hervor. Bayer betonte, Michelin sei zu einem wichtigen Arbeitgeber, zu einem Teil von Bad Kreuznach und zu einem Stück Heimat für Tausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sogar für ganze Familien geworden.
"Beeindruckendes Stück rheinland-pfälzischer Industriegeschichte"
Minister Ebling richtete herzliche Grüße des Ministerpräsidenten Gordon Schnieder aus. In seinem Grußwort betonte der Wirtschaftsminister: „60 Jahre Michelin in Bad Kreuznach sind ein beeindruckendes Stück rheinland-pfälzischer Industriegeschichte und zugleich ein starkes Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft.“ Landrätin Dickes unterstrich die Bedeutung von Michelin für den Landkreis und die Region. Bei ihren Besuchen erlebe sie immer wieder: Von außen scheine das Werk gleich zu bleiben. Im Inneren dagegen erlebe sie die Leidenschaft für Veränderung und die Schaffenskraft der Mitarbeitenden. Für Oberbürgermeister Letz sind Stadt und Region ohne Michelin nicht mehr denkbar. Die Verbundenheit mit dem Unternehmen und die gelebte Gemeinschaft machten aus dem Standort eines Global Players fast schon einen Familienbetrieb. Die Zuversicht in die Stärke des Werkes spiegele sich auch in der Zuversicht der Menschen wider, die hier arbeiten.
Industriedirektor Muengnao erzählte, wie „Made in Germany“ schon in seiner Jugend ein Traum gewesen sei. Das Label entstand vor rund 130 Jahren und damit etwa zeitgleich mit Michelin. Dieser Traum bestehe bis heute fort. Die Michelin-Gruppe unterstreiche die Bedeutung von „Made in Germany“ mit hohen Investitionen, die in den kommenden Jahren in den Standort fließen. Er sei zuversichtlich, dass Bad Kreuznach diese Investitionen in eine Erfolgsgeschichte verwandeln werde.

Michelin-Baustelle 1965: Im Hintergrund entsteht die Energieversorgungszentrale, links verläuft
die Gensinger Straße. Foto: Michelin Archiv
Michelin an der Nahe: Spatenstich 1965 und Produktionsstart 1966
Der Weg vom Planungsbeginn über den Spatenstich für das Werk Bad Kreuznach am 5. April 1965 bis zum Produktionsstart am 24. August 1966 erforderte viele Verhandlungen und Vorbereitungen und war nicht unumstritten. So meinte etwa 1964 der Bad Kreuznacher Lokalpolitiker Heinz Kiefer zu Michelin: „Die Neuansiedlung weiterer industrieller Betriebe soll nur erfolgen, wenn sich ergibt, dass durch Michelin der Arbeitsmarkt unseres Gebietes nicht ausgelastet wird. Durch das Schaffen neuer Arbeitsplätze dürfen die ansässigen Betriebe nicht geschädigt werden.“ Diese Sichtweise hat sich inzwischen gründlich geändert.
Seither wurde das Werk kontinuierlich modernisiert und erweitert und ist heute das größte Reifenwerk von Michelin in Deutschland. Der größte industrielle Arbeitgeber in Bad Kreuznach produziert mit mehr als 1.600 Mitarbeiter*innen Hightech-Reifen, Mischungen der neuesten Generation sowie Textil- und Stahlcord. Das Portfolio umfasst mehr als 30 Premiumprodukte in zahlreichen Dimensionen von 15 bis 20 Zoll. Rund 75 Prozent der Erstausrüstungsreifen liefert Michelin an Kunden im Umkreis von 1.000 Kilometern aus.
Quelle: Ulrike Dalheimer
Foto ganz oben: Nicht nur Glückwünsche, sondern auch viele positive Botschaften für das fest in der Region verwurzelte Michelin Werk und die Bedeutung der Menschen für seine Erfolge äußerten beim Festakt: Werkdirektor Guilhem Vogel, OB Emanuel Letz, DACH-Managing Direktor Markus Bast, der französische Generalkonsul Nicolas Bergeret, Industrie-Direktorin für Nordeuropa Silvia Mata Nestares, Europa-Business-Direktor Pkw-Reifen Daniele Rossi, Personalleiterin Dr. Heike Notzon, Minister Michael Ebling, Landrätin Bettina Dickes, Beigeordneter Mirko Helmut Kohl, Landtagsabgeordnete Dr. Claudia Eider, Welt-Industrie-Direktor Thirapol Muengnao, Stadtverwaltung-Geschäftsleiterin Nathalie Herberger-Lamberty, Michelin-Betriebsratsvorsitzender Thorsten Bayer und Bürgermeister Thomas Blechschmidt (v. l. n. r.). Foto: Lina Prehn/Michelin

Blick in die Vorproduktherstellung aus dem Jahr 1979. Foto: Michelin Archiv
Rückblick auf 60 Jahre Michelin in Bad Kreuznach
1962
- Erste Vorverhandlungen zwischen Karlsruhe, dem Sitz der deutschen Michelin-Gesellschaft und Standort des ersten deutschen Michelin-Werks, und der Stadt Bad Kreuznach: Entscheidung für den Bau eines weiteren Werks in Deutschland.
1963
- Karlsruhe bestätigt der Stadt Bad Kreuznach im Mai die Option für den Kauf des angebotenen Industriegeländes in einer Größe von 26,72 ha
- Oktober: Michelin in Karlsruhe schaltet die ersten Stellenanzeigen zur Einstellung von Führungskräften für Bad Kreuznach
1964
- 14. Februar: Nach den Vorverhandlungen wird der Ansiedlungsvertrag von Oberbürgermeister Dr. Gerhard Muhs und Michelin-Direktor Oberli sowie Dr. Boucon, Prokurist bei Michelin in Karlsruhe, unterzeichnet.
- 30. Juni: Notarielle Beurkundung des Vertrages zwischen Stadt und Direktionsbeauftragten aus Karlsruhe
1965
- 5. April: Spatenstich und Baubeginn der Werkhallen
1966
- April: Michelin eröffnet ein Pesonalbüro in der Gaststätte "Kleines Klapdohr" in der Kreuzstraße, um Mitarbeiter anzuwerben.
- 24. August: Offizieller Produktionsstart. 20 Probereifen werden zur Prüfung nach Clermont-Ferrand geschickt. Nach erfolgter Freigabe:
• 5. September: Der erste Serienreifen wird gewickelt, ein Pilot 6.40-13 X STOP für Mercedes.
• 31. Dezember: 339 Mitarbeiter
• Jahresproduktion: 52.440 Reifen
Weitere Meilensteine in der Geschichte des Werks:
24. Februar 1969: Der 1.000. Mitarbeiter nimmt seine Arbeit auf.
1. März 1969: Fertigung der ersten Mischungen in Bad Kreuznach.
Oktober 1970: Eröffnung einer Werkstätte zur Ausbildung von Meistern und Facharbeitern.
15. Juli 1972: Beginn der Produktion von Textilcord.
1978-2011: Produktion von Leicht-Lkw-Reifen, danach Konzentration auf die Fertigung von Pkw-Reifen.
Oktober 1986: Die Stadtverwaltung genehmigt, die Binger Straße in Michelinstraße umzubenennen.
1. April 1991: Die Betriebskrankenkasse Michelin BKK wird in Bad Kreuznach gegründet. Im Laufe der Jahre weitet sich die Aktivität der BKK auf andere Standorte aus. Durch Fusionen ist daraus die heutige pronova BKK entstanden.
2000: Der Farbdesigner Friedrich Ernst von Garnier verewigt das Profil des ersten in Bad Kreuznach gefertigten Reifens der X-Dimension auf den beiden Wassertürmen.
2005-2024: Installation von Dach-Solaranlagen und Solar-Carports auf dem Mitarbeiter-Parkplatz (180.000 qm).
1. Dezember 2005: Start der Produktion von 17-Zoll-Reifen.
5. Juli 2007: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad verleiht dem Werk Bad Kreuznach den Umweltpreis Rheinland-Pfalz für die umweltschonende Konditherm-Anlage zur Energie-Rückgewinnung aus Prozessdampf (Einsparung: 4.000 Tonnen CO2/Jahr).
11. Juli 2007: Michelin Bad Kreuznach erhält den Qualitätspreis des Michelin-Konzerns.
1. Februar 2010: Installation der ersten Elektropresse: weltweiter Prototyp in einem Pkw-Reifenwerk.
2011: Prototyp für Fertigung eines Textilcordprodukts.
15. Mai 2011: Fertigung des letzten Leicht-Lkw-Reifens - Michelin Bad Kreuznach wird Kompetenzzentrum für Pkw-Reifen.
März 2012: Bad Kreuznach ist das erste Michelin-Reifenwerk in Deutschland, das nach ISO 50.001 (Energie) zertifiziert wird.
2014: Das Jahr der Großprojekte - mehrere Hallenanbauten und Neubauten für eine neue Anlage zur Vorproduktfertigung, für die Herstellung der Versiegelungsmischung für Selfseal-Reifen, für die Fertigung der Selfseal-Reifen selbst, für die Erweiterung der Vulkanisationspressen und für eine neue Anlage zum Wiegen und Konfektionieren von Mischungszusätzen.
2014: Die ersten 18-Zoll-Reifen laufen vom Band. 4 Millionen Tonnen Mischungen.
Februar 2015: Feier anlässlich des 300.000.000. Reifens.
10. Mai 2016: Einweihung eines neuen Logistikzentrums, das die Lagerkapazität auf das Dreifache erhöht.
2019: Anlauf selbstfahrender Transport-Einheiten in der Elektrovulkanisation.
Die ersten 19-Zoll-Reifen laufen vom Band.
2022: Erster hochfeiner Drahtcord für die „Slim-Belt-Technologie“ in Reifen aus Bad Kreuznach. Erste KI-gestützte Anlage für die Reifen-Endprüfung.
2023: 5 Millionen Tonnen Mischungen
. Die ersten 20-Zoll-Reifen laufen vom Band.
Abbau der letzten manuell betriebenen Vulkanisationspresse.
2025: 5-Sterne-Award von Hyundai (erhält nur ein Prozent aller Hyundai-Lieferanten)
2026: Neubau einer Halle für neuartige Technologie zur Fertigung von Laufstreifen; bis 2027 fließen 30 Millionen Euro in dieses und weitere Projekte im Rahmen eines Transformationsprogramms.
Michelin erhält den CARE-Award der Michelin Gruppe für ein innovatives Talent-Programm
Quelle: Ulrike Dalheimer
Michelin Bad Kreuznach











